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Frankreich: Schülerproteste eskalieren zu landesweiten Krawallen


FRANKREICH
Vom Schulstreik zur Staatskrise:
Wie Frankreichs Schülerprotest in landesweite Krawalle mündete
Stand: Sonntag, 18. Oktober 2026
Paris, Place de la République, Samstagnachmittag. Die Marianne, die Statue der Französischen Republik, trägt eine gelbe Weste. Die Gesichter der drei allegorischen Figuren an ihrem Sockel, die für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit stehen, sind mit schwarzen Spuren überzogen, über ihnen fliegen Tränengasgranaten durch die Luft. Wenige Stunden später brennt in Limoges das Rathaus, in Marseille stehen Randalierer in der Eingangshalle der Mairie, in Lyon geht das Fremdenverkehrsamt in Flammen auf. Die Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten und für bessere Schulen brachten nach Angaben des Innenministeriums 550.000 Menschen auf die Straße, nach Angaben der Organisatoren und Gewerkschaften 800.000. Innenminister Laurent Nuñez meldete am Sonntag um 13 Uhr auf X mehr als 2.000 Festnahmen im ganzen Land und mehr als 600 verletzte Polizisten, Gendarmen und Feuerwehrleute. In Paris starb ein Demonstrant. Begonnen hatte alles einen Monat zuvor an einer einzigen Schule.
Der Ursprung: ein Gymnasium in Créteil
Am 17. September traten Lehrkräfte am Lycée Saint-Exupéry in Créteil in den Streik. Die Schule hat rund 1.500 Schüler, mehrere Lehrerstellen waren zu diesem Zeitpunkt unbesetzt. Am Tag darauf blockierte eine Gruppe von Schülern zur Unterstützung erstmals den Eingang. Bereits ab dem 23. September hatten sich die Blockaden laut Schulbehörde von Créteil auf rund zehn Gymnasien in der Region Île-de-France ausgeweitet. Am 24. September veröffentlichte Booska-P, ein Nachrichtenportal der französischen Rapszene, ein Interview mit acht Schülern der Schule, die von einem Gefühl der Verlassenheit als Jugendliche aus der Banlieue sprachen. Das Video wurde auf TikTok 1,5 Millionen Mal angesehen. Der LFI-Abgeordnete Louis Boyard war bereits am 21. September vor Ort und rief anschließend zur Ausweitung der Bewegung auf.
Die Forderungen der Schüler sind konkret. Sie protestieren gegen fehlende Lehrer, überfrachtete Stundenpläne, marode Klassenräume und Gebäude, die der zunehmenden Hitze nicht gewachsen sind. Ein 15-jähriger Schüler sagte der Nachrichtenagentur Reuters in der Pariser Vorstadt Pantin: „Wir sind 35 pro Klasse, wir haben nicht genug Stühle." Kritisiert wird zudem eine Reform aus dem Jahr 2018, deren zusätzliche Wahlfächer zu unübersichtlichen Stundenplänen und langen Schultagen geführt hätten.
Die Eskalation: Tausende Festnahmen, überwiegend Minderjährige
Ab dem 28. September breitete sich die Bewegung über ganz Frankreich aus. Am 30. September waren nach Regierungsangaben 356 Schulen betroffen, Innenminister Nuñez meldete 625 Festnahmen. Am 1. Oktober schlossen sich Studenten den Blockaden an. Das Innenministerium meldete für diesen einen Tag 1.949 Festnahmen. In Lille brannten laut Ouest-France Mülltonnen, nahe den Gymnasien Gaston-Berger und Faidherbe flogen Wurfgeschosse auf Bereitschaftspolizisten, die mit Tränengas antworteten. Am Lycée Saint-Exupéry in Marseille zündeten Hunderte Schüler ein Feuerwehrfahrzeug an, das zum Löschen eines früheren Brandes angerückt war.
Die Region Île-de-France meldete am 2. Oktober 55 Gymnasien als Schauplatz von Gewalt, Zusammenstößen und Beschädigungen. Mehr als 400 Schulen blieben geschlossen. Bildungsminister Édouard Geffray nannte die Bewegung in einem Interview anfangs legitim, das Innenministerium erklärte dagegen, die Unruhen hätten mit dem legitimen Ausdruck von Schülerforderungen nichts mehr zu tun.
Nach Zahlen des Innenministeriums, die Amnesty International zusammengestellt hat, wurden zwischen dem 21. September und dem 2. Oktober mehr als 5.000 Menschen festgenommen, 85 Prozent davon Minderjährige. Der Politologe Robi Morder sprach von einer für eine Schülerbewegung beispiellosen polizeilichen Repression. Gewerkschaften und Linke verwiesen darauf, dass die mehr als 6.000 Festnahmen innerhalb einer Woche die Gesamtzahl der gesamten Gelbwesten-Bewegung überstiegen. Auch im benachbarten Belgien spitzten sich Schülerproteste zu. Einzelne Schulen in Italien und Deutschland schlossen sich ebenfalls an.
Verstümmelte Jugendliche und ausgesetzte Granaten
Am Montag, 5. Oktober, gegen 10 Uhr wurde einem 15-Jährigen in Lens bei einer Kundgebung wenige hundert Meter vom Lycée Auguste-Béhal entfernt durch eine von CRS-Einheiten geworfene Granate die Hand abgerissen. Der Staatsanwalt von Béthune, Étienne Thieffry, erklärte, er könne nicht sicher sagen, ob der Schüler die Granate aufgehoben habe oder ob sie auf ihn geworfen worden sei. Die Familie des Jungen, Evan, Schüler einer Berufsfachschule mit dem Berufsziel Schreiner, bestreitet über ihren Anwalt, dass er die Granate greifen wollte. Der Anwalt wies darauf hin, dass Evan Rechtshänder sei, aber die linke Hand verloren habe. Auch an der rechten Hand wurde er teilweise amputiert. Es blieb nicht bei einem Fall: Abgerissene Hand, Verlust eines Auges, gebrochener Kiefer – die Verletzungen mehrerer Schüler führten zu Rücktrittsforderungen von Abgeordneten der Linkspartei LFI und der Kommunisten.
Am 7. Oktober kündigte Nuñez im Sender RTL an, die Betäubungsgranaten bei Schülerprotesten nicht mehr einzusetzen, bis geklärt sei, was in Lens geschehen ist. Zugleich nannte er 18 laufende Ermittlungen der Polizeiaufsicht IGPN. Der Generaldirektor der Nationalpolizei, Louis Laugier, hatte die Granate des Typs ASSD bereits am Vortag per Telegramm vorsorglich aus dem Verkehr gezogen. LFI-Koordinator Manuel Bompard kommentierte: „Es brauchte mehrere lebenslang verstümmelte Kinder, damit Nuñez auf Granaten gegen Schüler verzichtet." Nuñez hatte zuvor im Sender France Inter erklärt, er stehe dazu, dass bei Ausschreitungen eingegriffen werde, dies geschehe aber unter strikter Wahrung der Verhältnismäßigkeit.
Die Regierung zwischen Härte und Zugeständnissen
Premierminister Sébastien Lecornu verurteilte am 6. Oktober in der Nationalversammlung die Gewalt, versicherte, er wolle die Ängste der Schüler hören, und warf LFI vor, Chaos säen zu wollen. Er hatte seinen Ministern fünf Arbeitsfelder übertragen: Lehrerausfälle, Gebäudesanierung und lückenhafte Stundenpläne gehörten dazu. In einer Fernsehansprache räumte Lecornu ein, die Wut der Jugend komme „nicht aus dem Nichts", und kündigte einen Plan der Regierung bis Ende Oktober an. Er erklärte, die Sicherheitskräfte hätten keine Anweisung, die Konfrontation mit den Schülern zu suchen. Zudem sollten Dieselreserven freigegeben werden, um die Kraftstoffpreise zu senken. Zusätzliches Geld bot er nicht an: Der kommende Haushalt sieht 1,2 Milliarden Euro mehr für Bildung vor, die Bildungsgewerkschaften hatten 10 Milliarden gefordert.
Bildungsminister Geffray kündigte am 8. Oktober an, rund 3.000 Vertretungslehrer an die 114 am stärksten betroffenen Gymnasien zu schicken. Der Schülervertreter Marius Mesnil antwortete: „Man bietet uns ein paar Krümel an." Am 9. Oktober erklärte Shabia Mantoo, Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüros, man verfolge die teils gewaltsamen Vorfälle bei den Schülerprotesten in Frankreich mit Sorge. Das Justizministerium meldete zu diesem Zeitpunkt fast 7.000 Ingewahrsamnahmen, 86 Prozent davon Minderjährige.
Nach einem Monat legte das Innenministerium eine Gesamtbilanz vor: 7.950 Ingewahrsamnahmen, davon 6.773 Minderjährige und 1.177 Erwachsene. Daraus folgten 26 Untersuchungshaftanordnungen, 2.735 Strafverfolgungen, 2.225 alternative Maßnahmen und 1.263 Einstellungen. Verletzt wurden 937 Polizisten und Gendarmen, 248 Schüler und 149 Beschäftigte des Bildungswesens. Die IGPN erhielt 36 Ermittlungsverfahren gegen Polizisten.
Der 17. Oktober
Für Samstag riefen ehemalige Gelbwesten, Schüler und Studenten, Klimaaktivisten und Landwirte zu einem landesweiten Aktionstag gegen die hohen Lebenshaltungskosten auf. Die Gewerkschaft CGT unterstützte den Aufruf. Präsident Emmanuel Macron hatte am Vorabend in Brüssel zur Ruhe gemahnt und erklärt, das Demonstrationsrecht verlange Respekt vor Menschen und Eigentum.
Die ersten Angriffe erfolgten am frühen Morgen. Gegen 7 Uhr blockierten laut Polizeipräfektur rund hundert vermummte Personen den Zugang zum Sitz von Lagardère News im Westen von Paris, wo CNews, Europe 1 und die Redaktion des JDD arbeiten. Sie warfen Gegenstände und zerschlugen Scheiben. 21 Personen wurden festgenommen. Europe-1-Generaldirektor Donat Vidal Revel sagte der AFP: „Diese Einschüchterungen durch organisierte Banden gegen Personal und Journalisten sind inakzeptabel."
In Paris, wo die Präfektur 110.000 Teilnehmer zählte, zog der Demonstrationszug von der Place de la République zur Place de Clichy. Bis in die Nacht versuchten die Sicherheitskräfte, wilde Züge in Richtung der Machtzentren aufzuhalten. Ein Versuch, sich dem Élysée-Palast zu nähern, scheiterte. Ab 14 Uhr warfen Teile der Demonstranten Feuerwerksmörser auf Polizisten, ein Auto und ein Zeitungskiosk wurden angezündet. Die große Mehrheit der Teilnehmer zog friedlich weiter. Eine Schülerin sagte Al Jazeera: „Wir sind hier, weil wir uns unsere Rechte zurückholen wollen."
Am Abend begannen im 11. Arrondissement die Plünderungen. In den Straßen zwischen République und Bastille brachen kleine, schwarz gekleidete und meist vermummte Gruppen nacheinander die Rollläden von Geschäften auf, andere folgten und trugen Zigaretten, Sonnenbrillen, Kleidung, Schmuck und Lebensmittel heraus. Polizei war im Viertel zu diesem Zeitpunkt nicht mehr präsent. Bürgermeister Emmanuel Grégoire sagte: „Ganze Straßen wurden methodisch verwüstet."
Ein Demonstrant brach laut BFMTV am Boulevard Magenta zusammen und starb trotz Hilfe. Die Polizeipräfektur bestätigte einen Tod durch Herz-Kreislauf-Stillstand. Ein Pariser Polizist erlitt laut Europe 1 eine Kopfverletzung mit innerer Blutung und befindet sich in kritischem Zustand.
In Marseille drangen Demonstranten kurzzeitig in die Eingangshalle des Rathauses ein, eine vermummte Gruppe beschädigte eine Polizeiwache. Die Präfektur zählte zunächst 7.000 bis 8.000 Randalierer am Rand der friedlichen Kundgebungen. Bürgermeister Benoît Payan forderte dringend Verstärkung an. Am Sonntag bezifferte die Präfektur die Zahl der Plünderer allein in Marseille auf mehr als 30.000.
In Lyon, wo das Ministerium mindestens 20.000 Demonstranten zählte, wurde das Fremdenverkehrsamt angezündet, zahlreiche Geschäfte wurden geplündert. In Bordeaux wurde die Amtsresidenz der Präfektin verwüstet, die Spezialeinheit RAID musste anrücken. In Lille verschafften sich Vermummte Zugang zum Rathaus, verwüsteten Räume und plünderten anschließend Geschäfte in der Innenstadt. Plünderungen meldete das Innenministerium außerdem aus Rennes, Straßburg, Grenoble, Nizza und Limoges.
In Limoges brannte das Rathaus nieder. Rund 5.000 Menschen hatten an der Kundgebung teilgenommen, darunter laut Präfekt mehrere hundert radikalisierte und äußerst gewalttätige Personen. Sie brachen Scheiben ein, drangen in das Gebäude ein und legten Feuer, während sich darin noch Mandatsträger, Stadtpolizisten und Verwaltungsangestellte befanden. Verletzt wurde niemand. Präfekt Maurice Barate sagte, das Dach sei bis auf den Westflügel auf die unteren Stockwerke gestürzt, zwei Drittel der Fassade seien verloren. Bürgermeister Guillaume Guérin (LR) berichtete vom Einsturz des Glockenturms. Das 1883 eingeweihte Gebäude war dem Pariser Rathaus nachempfunden. Vier Fahrzeuge der Nationalpolizei und zwei der Stadtpolizei wurden zerstört oder schwer beschädigt. Barate sprach von einer „vorsätzlichen Tat von Randalierern, nicht von Demonstranten". Guérin erklärte, den Nationalpolizisten seien die Mittel ausgegangen, um die Menge zu kontrollieren. Stadtpolizisten hätten sich aus dem Gebäude retten können, nachdem die Eindringlinge ihnen gedroht hätten, sie zu töten.
In Saint-Étienne verlor ein 17-jähriger Demonstrant durch eine Granate eine Hand, in Mulhouse verlor eine 17-Jährige ein Auge. Die IGPN wurde eingeschaltet. Laut 20 Minutes soll der Verletzte in Saint-Étienne eingeräumt haben, die Granate aufgehoben zu haben. In Paris befanden sich am Abend mindestens fünf verletzte Demonstranten in akuter Lebensgefahr.
Die Bilanz
In Paris wurden 855 Personen festgenommen. Die Pariser Staatsanwaltschaft meldete 557 Ingewahrsamnahmen, davon 381 Erwachsene, 151 Minderjährige und 25 Personen, deren Alter noch nicht feststand. In Lyon nannte Präfekt Étienne Guyot 160 Festnahmen. Laut Alexandre Bompard, Präsident des Handelsverbands FCD, wurden landesweit 1.500 Geschäfte angegriffen, der Schaden liege bei mehreren hundert Millionen Euro. Handelsminister Serge Papin lädt für Montag Verbände des Handels, der Gastronomie, der Banken und Versicherungen ein. Ein Polizeivertreter in Rennes sagte: „Ich habe so etwas nie gesehen, nicht einmal auf dem Höhepunkt der Gelbwesten."
Die politischen Reaktionen
Macron verurteilte die Täter als „Säer des Chaos" und kündigte Strafverfolgung derjenigen an, die Institutionen angegriffen haben. Lecornu leitete einen interministeriellen Krisenstab. Am Nachmittag warf Lecornu LFI vor, die Ausschreitungen als Aufwärmrunde für die Präsidentschaftswahl nutzen zu wollen, und erklärte: „Niemand wird seine politische Agenda mit Gewalt durchsetzen." Am Abend forderte er Jean-Luc Mélenchon auf, sich zwischen dem Lager der Republik und dem der Randalierer zu entscheiden.
Mélenchon, der selbst in Paris mitmarschiert war, rief seine Anhänger auf, sich von Plünderung und Zerstörung fernzuhalten. Zugleich warf er Lecornu vor, mit dem Feuer gespielt und auf eine Verschlechterung der Lage gesetzt zu haben, und bezeichnete ihn als Handlanger, der eine Regimekrise auslöse. Marine Le Pen erklärte, legitime soziale Forderungen seien erneut von der extremen Linken und den Abgeordneten Mélenchons in Geiselhaft genommen worden. Jordan Bardella sprach von Berufsprovokateuren des Chaos, Éric Ciotti von rotem Faschismus auf der Straße. Bruno Retailleau, Édouard Philippe und Le Pen verlangten eine unnachgiebige strafrechtliche Antwort.
Grünen-Chefin Marine Tondelier forderte die Regierung auf, ihre Einsatzstrategie zu überprüfen, die Demonstranten wie Polizisten gefährde. PS-Chef Olivier Faure verlangte eine grundlegende Änderung der Einsatzdoktrin hin zur Deeskalation. Nuñez warf Tondelier vor, die Polizei zu kritisieren, ohne die Randalierer zu verurteilen. Der sozialdemokratische Präsidentschaftskandidat Raphaël Glucksmann rief zu einem republikanischen Aufbruch auf. Der frühere Präsident François Hollande erklärte, die Sicherheitskräfte seien überfordert gewesen.
Am Sonntag sprach Le Pen von einer tiefen Vertrauens- und Autoritätskrise, die die Demokratie bedrohe. Mélenchon warnte im Sender LCI, die Lage könne unkontrollierbar werden. Den Rücktritt von Innenminister Nuñez fordern inzwischen sowohl die Linke als auch die extreme Rechte. Parlamentspräsidentin Yaël Braun-Pivet kündigte einen Untersuchungsausschuss zu den Ausschreitungen und zur Einsatzstrategie der Polizei an. Der Bürgermeisterverband AMF ruft für Montag zu Kundgebungen vor allen Rathäusern auf.
Das Echo im Ausland
US-Präsident Donald Trump schrieb am Sonntag auf Truth Social: „Frankreich brennt!" Er machte Einwanderung für die Lage verantwortlich und forderte Frankreich auf, seine Grenzen zu schließen. Vizepräsident JD Vance teilte ein Video vom brennenden Rathaus in Limoges und erklärte, westliche Progressive hätten Fragen der Assimilation vernachlässigt.
Die New York Times sprach vom bislang größten Protesttag der rund einmonatigen Bewegung und verband die Gewalt mit einem Gefühl fiskalischer und sozialer Krise. Die spanische Zeitung El Mundo schrieb von Szenen echter Stadtguerilla, ein Reporter des britischen Senders Sky News beschrieb die Lage in Paris als nahezu anarchisch. Die Süddeutsche Zeitung bewertete den Tag als vermutlich einschneidende Zäsur. Euronews zog bereits zuvor Parallelen zum Mai 1968, ebenso der Sciences-Po-Soziologe Paolo Stuppia.
Den wirtschaftlichen Hintergrund benennen vor allem internationale Wirtschaftsmedien. Laut CNBC trifft die Krise eine Regierung, die vor schwierigen Haushaltsverhandlungen steht und mit dem Etat 2027 eine große fiskalische Anpassung anstrebt. Für 2026 rechnet die Regierung mit einem Defizit von 5,4 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Finanzierungskosten des Staates liegen auf dem höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren.
Sonntag, 18. Oktober
Am Sonntagnachmittag kam es an der Place de la République erneut zu Zusammenstößen, die Polizei setzte Tränengas ein.
Im Viertel wurden wieder Geschäfte geplündert, die auf urbane Gewalt spezialisierte Einheit CRS 8 war den zweiten Tag in Folge im Einsatz. In Lyon verhinderte die Polizei, dass rund fünfzig Jugendliche die Scheiben einer Lacoste-Filiale einschlugen. In Limoges versammelten sich rund 7.000 Menschen vor dem ausgebrannten Rathaus.
Präsident Macron wendet sich um 20 Uhr an die Nation, Innenminister Nuñez spricht anschließend in den Hauptnachrichten von TF1. Die Präsidentschaftswahl findet in sechs Monaten statt.
Quellen
Al Jazeera, 17.10.2026:
Tear gas and unrest as hundreds of thousands protest for reforms in France
Associated Press / NBC, 18.10.2026:
French police arrest 1,800 after violent clashes and looting
NPR, 17.10.2026:
French police arrest 1,800 after violent clashes and looting mar protests
CNBC, 02.10.2026:
A violent classroom revolt is becoming France's next big crisis
TIME, 02.10.2026:
Why Are Students Protesting Across France?
TIME, 06.10.2026:
Photos Show Scenes of Unrest as French Student Protest Goes Nationwide
CNN, 07.10.2026:
Massive demonstrations. Injured teenagers.
Euronews, 09.10.2026:
UN voices concern over violence as French students plan more protests
Euronews (DE), 11.10.2026:
Schüleraufstand oder Revolution?
Euronews (TR), 08.10.2026:
Lecornu-Ansprache
Blue News (CH):
France's Prime Minister Promises Better Schools, but No Extra Money
Dhaka Tribune / AFP:
France students plan more protests, UN 'concerned'
Vienna.at / APA:
Schülerproteste in Frankreich und Belgien eskalieren
L'Express / 6Médias, 18.10.2026:
Bilan de la mobilisation du 17 octobre
L'Express / 6Médias, 18.10.2026:
Le monde a les yeux rivés sur la France
AFP, 17.10.2026:
L'hôtel de ville de Limoges, incendié, „en grande partie perdu"
AFP, 17.10.2026:
Le siège de CNews et Europe 1 dégradé
AFP, 18.10.2026:
„Du jamais vu": dans le centre de Paris, des scènes de pillage
AFP, 18.10.2026:
Passe d'armes entre Lecornu et Mélenchon
AFP, 18.10.2026:
Nouveaux heurts à Paris et Lyon, Macron prend la parole
franceinfo, 18.10.2026:
Plus de 2 000 personnes interpellées
CNews, 17.10.2026:
Blocus des lycées : le bilan après un mois de mobilisation
LCP, 07.10.2026:
Laurent Nuñez suspend l'usage des grenades assourdissantes
LCP:
La grave blessure d'un lycéen à Lens suscite de nombreuses réactions
Public Sénat:
Dix-huit enquêtes IGPN ouvertes
Public Sénat:
Nuñez pressé de trouver la voie de l'apaisement
Public Sénat, 06.10.2026:
Lecornu défend le gouvernement
Sud Radio / AFP:
Lycéen amputé à Lens : plainte de la famille
Sud Radio / AFP:
Lecornu défend l'ordre et cible LFI
Brut:
Nuñez suspend l'usage des grenades assourdissantes
Maire-info:
Proportionnalité
Amnesty International France:
Mouvement lycéen : des mineurs face à la répression
Wikipédia (FR):
Mouvement lycéen et étudiant de 2026 en France
Wikipedia (EN):
2026 French student protests
Bundeszentrale für politische Bildung, 14.10.2026:
Bildungsproteste in Frankreich
+++ UPDATE +++
Frankreich: Aus Schulblockaden werden landesweite Krawalle
Seit zwei Wochen blockieren Gymnasiasten in Frankreich ihre Schulen. Inzwischen spricht die Regierung von urbaner Gewalt, meldet mehr als 5.000 Festnahmen und macht die Partei La France Insoumise verantwortlich.
In Marseille wurde einer Passantin mit einem selbstgebauten Flammenwerfer ins Gesicht gefeuert.
Vom Protest gegen marode Schulen zur „urbanen Gewalt“
Am 21. September 2026 begannen im Schulbezirk Créteil Demonstrationen und Blockaden von Gymnasiasten. Von dort aus breiteten sie sich auf ganz Frankreich aus. Die Schüler protestierten gegen heruntergekommene Gebäude, lange Schultage und Lehrermangel.
Am 28. September warnte Premierminister Sébastien Lecornu, eine Eskalation wäre unverantwortlich. Feuerwerkskörper, Brände und Gewalt im Umfeld der Schulen gefährdeten Schüler, Personal und Polizei. Innenminister Laurent Nuñez meldete für diesen Tag 164 Festnahmen. Bildungsminister Édouard Geffray nannte die Bewegung zu Beginn legitim. Das Innenministerium erklärte dagegen am 1. Oktober, die Unruhen hätten nichts mehr mit dem legitimen Ausdruck von Schülerforderungen zu tun.
Nach einer Krisensitzung bezeichnete das Büro des Premierministers die Lage als urbane Gewalt. Auch die Schülerverbände erklärten, zusätzlich zur Schülerbewegung gebe es nun urbane Gewalt, von der sie sich vollständig distanzierten.
Die Bilanz in Zahlen
Am 30. September zählte das Innenministerium 625 Festnahmen, 83 verletzte Polizisten und Gendarmen sowie 356 betroffene Schulen.
Am 1. Oktober eskalierte die Lage. Betroffen waren 1.027 der rund 3.700 Gymnasien, 222 davon wurden blockiert. An diesem einen Tag nahm die Polizei 1.949 Menschen fest, 305 Polizisten und Gendarmen wurden verletzt.
Am 2. Oktober meldete Nuñez im Sender TF1 weitere 1.747 Festnahmen und damit mehr als 5.000 seit Wochenbeginn. Rund um 158 Schulen habe es urbane Gewalt gegeben, mit Angriffen auf Polizisten, Lehrer, Journalisten und Passanten. Mehr als 100 Gymnasien seien schwer beschädigt. Etwa 85 Prozent der Festgenommenen sind laut Nuñez Minderjährige, die meisten von ihnen Gymnasiasten. Unter den Schulbeschäftigten wurden mindestens 65 Menschen verletzt, darunter 40 Schulleiter. Mehr als 400 Schulen blieben am Freitag geschlossen.
Der Angriff in Marseille
Am Donnerstag, dem 1. Oktober, wurde auf einem Platz in Marseille unweit eines Gymnasiums eine Frau angegriffen. Ein Video zeigt, wie sie sich einer Gruppe in den Weg stellt, die gerade ein Wartehäuschen beschädigen will. Ein vermummter Jugendlicher zündete daraufhin den Strahl einer Spraydose an und richtete ihn auf das Gesicht der Frau.
Der Verifikationsdienst von France Télévisions bestätigte den Ort per GPS. Das Video existierte vor seiner ersten Veröffentlichung am Abend des 1. Oktober nicht.
Am Freitagabend nahm die Polizei einen 15-Jährigen fest. Er wurde mithilfe von Videoüberwachung identifiziert und war Polizei und Justiz nach Angaben der Staatsanwaltschaft Marseille bis dahin unbekannt. Die Frau erlitt Verbrennungen ersten Grades.
In sozialen Netzwerken wurde der Täter vielfach als Migrant bezeichnet, der die Frau wegen ihrer Herkunft angegriffen habe. Die französische Polizei hat nicht bestätigt, dass der Minderjährige ein illegaler Migrant ist.
Weitere Vorfälle
In Marseille umstellten am 1. Oktober nach Polizeiangaben Hunderte Jugendliche ein Feuerwehrfahrzeug, vertrieben die Besatzung und setzten den Wagen in Brand. In Nantes wurde laut einem stellvertretenden Schulleiter die Eingangshalle eines Gymnasiums vorsätzlich angezündet. In Belfort ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, nachdem ein am Boden liegender Polizist gegen den Kopf getreten worden war.
Zum Gymnasium Victor Hugo in Marseille gab es zwei unterschiedliche Darstellungen. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst mitgeteilt, Lehrer seien angegriffen und mit Benzin übergossen worden. Die örtlichen Behörden erklärten später, die Lehrer seien unbeabsichtigt bespritzt worden, als ein Schüler Benzin in einen Mülleimer schütten wollte.
In Bordeaux wurde am 29. September ein Feuerwehrmann verletzt. Er wollte an einer Barrikade vor dem Gymnasium Montaigne ein Feuer löschen, als ein Gegenstand in den Flammen explodierte und ihn kurz einhüllte. Er wurde mehrere Tage krankgeschrieben. Die Staatsanwaltschaft Bordeaux ermittelt wegen vorsätzlicher Brandstiftung mit schweren Verletzungen.
Regierung macht La France Insoumise verantwortlich
Nach der Krisensitzung vom 1. Oktober teilte das Büro von Premierminister Lecornu mit, die Nachrichtendienste stuften die Bewegung als Operation von LFI und ihren Ablegern aus der äußersten Linken ein. Matignon zufolge waren am 29. September rund 20 landesweite LFI-Mandatsträger beteiligt, von Lille über Rennes bis Toulouse.
Le Figaro veröffentlichte einen Bericht des Nachrichtendienstes der Pariser Polizei. Darin heißt es, politische Organisationen setzten auf eine Strategie, vor den anstehenden Wahlen Unruhen anzufachen. Von 40 dort näher beschriebenen Festgenommenen war etwa ein Viertel linksextreme Aktivisten der Jahrgänge 1999 bis 2005, die die Schule also längst verlassen hatten.
LFI-Koordinator Manuel Bompard warf der Regierung vor, in Verschwörungsdenken abzugleiten, und bezeichnete die Mobilisierung als spontan. Der LFI-Abgeordnete Louis Boyard erklärte, seine Partei habe sich stets für gewaltfreie Demonstrationen eingesetzt.
Der Pariser Polizeipräfekt Patrice Faure übergab den Fall des LFI-Bürgermeisters von Saint-Denis, Bally Bagayoko, wegen möglicher Anstiftung der Staatsanwaltschaft. Gabriel Attal, Präsidentschaftskandidat von Renaissance, nannte die Instrumentalisierung der Bewegung durch LFI unerträglich. Er forderte Mélenchon und die LFI-Abgeordneten auf, Jugendliche nicht länger als politisches Kanonenfutter zu benutzen. RN-Präsident Jordan Bardella erklärte, die Gewalt zeige, was aus Frankreich nach Jahrzehnten der Nachsicht und der Masseneinwanderung geworden sei. Marine Le Pen verurteilte ein Video, das zeigt, wie eine Polizistin von einer Gruppe Jugendlicher gejagt und geschlagen wird.
Die Richtergewerkschaft Syndicat de la magistrature warf den Sicherheitskräften vor, die Jugend zu unterdrücken, um sie zum Schweigen zu bringen. Sie verwies auf Tränengas gegen Schüler, brutale Festnahmen und den Einsatz von Waffen, die schwere Verletzungen verursachen können. Nuñez wies dies am 4. Oktober als schwere und unbegründete Anschuldigungen zurück.
Streit um die Berichterstattung
In Deutschland entzündete sich eine Debatte über die Darstellung der Ereignisse. Tichys Einblick warf ARD und ZDF sowie großen französischen Medien vor, das tatsächliche Ausmaß der Gewalt kleinzureden. Der Deutschland-Kurier schrieb, ARD und ZDF sprächen trotz der Bilder weiterhin von Schülerprotesten. Journalistenwatch zitierte eine Tagesschau-Überschrift vom 2. Oktober, die marode Schulen und Lehrermangel als Anlass der weitergehenden Proteste nannte.
Mehrere dieser Medien sowie Accounts auf der Plattform X stellten die Unruhen als Krawalle von Migranten dar. Ein Bericht des Portals Your News hält fest, dass die von Reuters wiedergegebene Einschätzung der Nachrichtendienste nicht belegt, dass Migranten als Gruppe die Gewalt organisiert hätten oder dass es sich um einen ethnischen Aufstand handele.
Wie es vermutlich weitergeht
Am Abend des 4. Oktober schrieb Lecornu an sieben seiner Minister. Ab Montag, dem 5. Oktober, solle der Unterricht überall dort wieder stattfinden, wo Sicherheit und Zustand der Gebäude es erlauben. Zugleich setzte er einen Zeitplan, um auf einen Teil der Forderungen einzugehen.
Bildungsminister Geffray kündigte an, dass der Unterricht am Montag in 400 bis 500 Gymnasien ganz oder teilweise ausfällt. Valérie Pécresse, Präsidentin der Region Île-de-France, rechnet in ihrer Region mit mehr als 160 geschlossenen Gymnasien, also mehr als einem Drittel. In Hauts-de-France stellen zahlreiche Schulen am Montag und Dienstag auf Fernunterricht um, und um einzelne Gymnasien gelten Versammlungsverbote.
Die Schülerverbände rufen weiter zu Blockaden auf, weil bislang keine konkreten Maßnahmen beschlossen seien. Für Dienstag, den 6. Oktober, ist ein neuer Blockadetag angekündigt.
Quellen
Französische Behörden und Medien: franceinfo (Live-Berichterstattung, Interview Nuñez auf TF1), France 3 Régions (Verifikation Marseille; Hauts-de-France), CNews (Festnahme in Marseille), Actu17 (Nuñez vs. Syndicat de la magistrature; Bordeaux), LCP (Brief Lecornu), France 24 (Bilanz, Ausblick), Sud Radio, Le Figaro (Bericht der Pariser Polizei, zitiert über Breitbart).
Internationale Medien: Reuters (zitiert über Washington Times, CNBC, Your News), AP/Washington Post, CNBC, France 24 English, Washington Times, The Week (Faktencheck), TMZ/Daily Mail, GB News, Human Events/Telegraph, Epoch Times, Wikipedia (2026 French lycée protests).
Deutschsprachige Medien: Tichys Einblick, Deutschland-Kurier, Journalistenwatch, Report24, Unser Mitteleuropa.
Links:
https://www.franceinfo.fr/societe/education/blocage-des-lycees/direct-mobilisation-dans-les-lycees-le-gouvernement-evoque-une-man-uvre-organisee-par-lfi-manuel-bompard-l-accuse-de-sombrer-dans-le-complotisme_8219182.html
https://france3-regions.franceinfo.fr/provence-alpes-cote-d-azur/bouches-du-rhone/marseille/verification-blocage-des-lycees-une-femme-a-t-elle-ete-brulee-au-visage-a-marseille-par-un-emeutier-3427068.html
https://www.cnews.fr/faits-divers/2026-10-03/femme-brulee-au-visage-par-un-spray-lors-du-mouvement-lyceen-un-mineur-de
https://actu17.fr/societe/mouvement-lyceen-laurent-nunez-denonce-les-accusations-graves-et-sans-fondement-du-syndicat-de-la-magistrature.html
https://actu17.fr/faits-divers/blocus-des-lycees-un-pompier-blesse-par-l-explosion-d-un-aerosol-a-bordeaux.html
https://lcp.fr/actualites/lycees-bloques-sebastien-lecornu-lance-cinq-chantiers-et-veut-la-reprise-des-cours
https://www.france24.com/fr/france/20261004-mobilisation-lyceenne-plus-400-lycees-paralyses-6-octobre-manifestation-greve-blocus-violences-police-ce-qu-il-faut-savoir
https://www.france24.com/en/france/20261002-hundreds-of-french-schools-remain-closed-as-student-protests-turn-violent
https://www.washingtontimes.com/news/2026/oct/1/french-school-protests-turn-violent-government-blames-far-left/
https://www.cnbc.com/2026/10/02/france-student-protests-budget-debt.html
https://www.washingtonpost.com/world/2026/10/02/france-macron-melenchon-philippe-school-protests-elections/93623714-be5d-11f1-81fc-9b76f8343b6c_story.html
https://www.theweek.in/news/world/2026/10/04/fact-check-did-french-viral-video-show-migrant-burning-womans-face-riot.html
https://www.breitbart.com/europe/2026/10/04/france-youth-riots-manipulated-by-far-left-melenchon-party-paris-police-report-finds/
https://www.gbnews.com/news/world/france-school-riots-thug-arrested-flamethrower-attack-woman
https://yournews.com/2026/10/02/7214211/france-deploys-riot-police-as-school-protests-turn-violent-nearly/
https://en.wikipedia.org/wiki/2026_French_lyc%C3%A9e_protests
https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/aus-aller-welt/frankreich-ausschreitungen-gewaltexplosion/
https://deutschlandkurier.de/2026/10/in-frankreich-wuetet-der-migranten-mob-aber-ard-und-zdf-sprechen-weiter-von-schuelerprotesten/
https://journalistenwatch.com/2026/10/03/buergerkriegsaehnliche-zustaende-in-frankreich-fuer-deutschlands-narkose-medien-nur-schulproteste/
https://rmx.news/article/france-white-female-hit-with-homemade-flamethrower-attack-another-white-female-school-supervisor-beaten-by-mob-during-student-riots/


Frankreich: Schülerproteste eskalieren
– Brände an Schulen, Hunderte Festnahmen, Krisenstab in Paris
Was vor rund zwei Wochen als örtlicher Protest gegen fehlende Lehrkräfte an einem Gymnasium in Créteil bei Paris begann, hat sich zu einer landesweiten Protestwelle an Frankreichs Lycées entwickelt – den Oberstufenschulen für die 15- bis 18-Jährigen. Am Mittwoch, 30. September, waren nach Angaben des Innenministeriums 356 Schulen betroffen. 625 Menschen wurden an diesem einen Tag festgenommen, 83 Polizisten und Gendarmen verletzt. Am Donnerstag, 1. Oktober, brannten Schulgebäude in Nantes und Lyon. In Marseille wurden vier Mitglieder einer Schulleitung angegriffen und mit Benzin übergossen, vor einem anderen Lycée derselben Stadt ging ein Feuerwehrfahrzeug in Flammen auf. Premierminister Sébastien Lecornu berief einen interministeriellen Krisenstab ein. Sein Amtssitz Matignon erklärte anschließend unter Berufung auf die Nachrichtendienste, die Bewegung sei ein von La France Insoumise (LFI) und deren Umfeld in der extremen Linken organisiertes Manöver.
LFI-Koordinator Manuel Bompard warf der Regierung daraufhin vor, in Verschwörungsdenken abzugleiten.
Der Ausgangspunkt: das Lycée Saint-Exupéry in Créteil
Nach Angaben einer Quelle aus der Schulverwaltung und der Schülergewerkschaft Union syndicale lycéenne (USL), über die AFP und franceinfo berichten, nahm die Bewegung am Lycée Antoine-de-Saint-Exupéry in Créteil (Département Val-de-Marne) ihren Anfang. Dort hatten Lehrkräfte am 17. September gegen fehlende Mittel und fehlendes Personal gestreikt; am Tag danach organisierten Schüler eine Blockade. Das Datum des Beginns wird in der Berichterstattung unterschiedlich angegeben – teils mit dem 18., teils mit dem 21. September.
An der Schule waren zu Schuljahresbeginn mehrere Lehrerstellen unbesetzt. Beklagt wurden außerdem fehlende Aufsichtskräfte, fehlende Begleitkräfte für Schüler mit Behinderung (AESH), das Fehlen einer Schulkrankenschwester und einer stellvertretenden Schulleitung. Ein Schüler der Klassenstufe Première, Cheick Sanogo, sagte franceinfo, die Lehrkräfte hätten den Schülern die Gründe für ihre Unzufriedenheit erklärt, daraufhin habe man sich angeschlossen. Er nannte fehlende Mittel und fehlendes Personal, überfüllte Klassen und fehlende Tische in einzelnen Räumen.
Die LFI-Abgeordneten Louis Boyard und Clémence Guetté besuchten die Schule und sicherten den Schülern ihre Unterstützung zu. Boyard war nach Darstellung mehrerer Quellen bereits am 21. September vor Ort und rief anschließend zur Ausweitung der Proteste auf.
In den folgenden Tagen griffen die Blockaden auf weitere Schulen im Val-de-Marne und in Seine-Saint-Denis über.
Am 25. September sprach das Schulrektorat Créteil gegenüber AFP von gut einem Dutzend blockierter Lycées und einer Bewegung, die an Umfang zunehme. Die Pariser Polizeipräfektur zählte an diesem Tag 31 Festnahmen im Großraum Paris.
Das Rektorat erklärte zu diesem Zeitpunkt, es handle sich nicht um eine politische Bewegung, sondern um eine Bewegung von Schülern zu sehr konkreten, schulspezifischen Fragen; die Forderungen fielen von Schule zu Schule sehr unterschiedlich aus.
Am Lycée Auguste-Blanqui in Saint-Ouen kam es laut Rektorat ebenfalls zu einer Blockade. Ein 16-jähriger Schüler namens Lokman schilderte gegenüber der Lokalzeitung Citoyens.com, die Blockade sei zunächst friedlich gewesen; aus dem Ruder gelaufen sei sie, als etwa fünfzehn Jugendliche aus einer anderen Stadt hinzukamen. Le Parisien berichtete am 24. September über Szenen wie bei Krawallen vor einem Lycée in Saint-Ouen am Rande einer Schülerblockade.
Am 28. September erklärte das Rektorat Créteil, soziale Netzwerke wirkten als Verstärker der Mobilisierung und setzten sie verschiedenen Vereinnahmungsversuchen aus. Die Zahl der betroffenen Schulen stieg nach Medienberichten von 61 am Freitag, 25. September, auf 180 am Montag, 28. September. Die USL rief für Dienstag, 29. September – den Tag eines landesweiten Aktionstags im öffentlichen Dienst – zur Blockade aller Lycées auf.
Die Forderungen der Schüler
Die Forderungen betreffen in erster Linie die Lernbedingungen: nicht ersetzte Lehrkräfte, überfüllte Klassen, fehlendes Personal wie Aufsichtskräfte, Schulkrankenschwestern und AESH-Begleitkräfte, sanierungsbedürftige oder unzureichend ausgestattete Gebäude (Heizung, Sanitäranlagen, Mobiliar, Internate) sowie überhitzte Klassenräume während der Hitzewellen dieses Jahres. Hinzu kommen Kritik an Stundenplänen und an den Zulassungsplattformen Parcoursup und MonMaster. Daneben bestehen je nach Schule eigene, örtliche Forderungen.
Die Proteste fallen in eine haushaltspolitisch angespannte Phase. Nach einem Bericht von Reuters hat die Regierung am Donnerstag, 1. Oktober, eine Reihe von Ausgabenkürzungen im Haushaltsentwurf 2027 vorgestellt. Laut der italienischen Agentur LaPresse sucht Premierminister Lecornu in einem gespaltenen Parlament nach einer Mehrheit für diesen Haushalt.
Die Bilanz in Zahlen
Am Dienstag, 29. September, wurden nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez rund 440 Menschen festgenommen, überwiegend Minderjährige. Etwa zwei Drittel der Festnahmen führten laut Nuñez zu Polizeigewahrsam; er nannte vor allem Sachbeschädigungen und Zusammenstöße mit Sicherheitskräften als Anlass. 48 Angehörige der Sicherheitskräfte wurden an diesem Tag verletzt. Das Bildungsministerium meldete 31 verletzte Schüler und Beschäftigte. Nuñez bezifferte die Zahl der Teilnehmer an den Protesten auf mindestens 200.000; ein Großteil der Aktionen sei ohne ernste Zwischenfälle verlaufen. Das Innenministerium zählte 338 betroffene Schulen.
Am Mittwoch, 30. September, stieg die Zahl der betroffenen Schulen laut Innenministerium auf 356 (Stand 18 Uhr). 625 Menschen wurden festgenommen, 83 Polizisten und Gendarmen verletzt. Nuñez sprach von einer Ausweitung der Bewegung und einer Eskalation der Gewalt vor bestimmten Schulen. Er verurteilte gezielte Angriffe auf Einsatzkräfte, Wurfgeschosse, Gewalt, Beleidigungen und Brandstiftungsversuche und sprach von Vorgängen, die urbaner Gewalt gleichkämen. Nach seinen Angaben wurden in sieben Fällen Einsatzkräfte mit Salzsäure beworfen.
Bildungsminister Édouard Geffray bezifferte die Zahl der seit Beginn der Proteste verletzten Schüler und Schulbeschäftigten auf 119, darunter 34 Beschäftigte des Bildungswesens. Zuvor hatte er gegenüber dem Sender RTL noch von 76 Verletzten gesprochen.
Die USL gab an, rund 400 der etwa 3.700 Lycées in Frankreich seien von Blockaden oder anderen Aktionen betroffen. Für Donnerstag, 1. Oktober, nannte die Studierendenorganisation Union étudiante 640 Lycées, an denen es zu Blockaden oder Blockadeversuchen gekommen sei. Nach einem Bericht der Agentur Radio France unter Berufung auf Polizeikreise wurden an diesem Tag in mehreren Städten Sachbeschädigungen festgestellt und Verkehrsnetze unterbrochen.
Nuñez erklärte, die Polizei habe äußerst verhältnismäßig gehandelt. Die Polizeiaufsicht IGPN wurde nach seinen Angaben mit drei Ermittlungsverfahren befasst, nachdem Schüler bei Räumungen von Blockaden verletzt worden waren. Schüler werfen der Polizei ein hartes Vorgehen vor, unter anderem den Einsatz von Tränengas. In Saint-Denis hielt ein Schüler laut Reuters ein Schild mit der Frage hoch, ob man sich erklären könne, ohne mit Tränengas beschossen zu werden.
Bordeaux
Am Dienstag, 29. September, gegen 12.30 Uhr wurde vor dem Lycée Montaigne in der Rue Sainte-Catherine ein Feuerwehrmann verletzt. Schüler hatten dort eine Barrikade errichtet, um einen Zugang zur Schule zu blockieren; die Barrikade hatte am Vormittag bereits zweimal Feuer gefangen, zudem wurden bengalische Feuer gezündet. Als der Feuerwehrmann einen erneuten Brand löschen wollte, explodierte ein Gegenstand im Feuer und hüllte ihn kurz in Flammen. Die Präfektin der Gironde, Sophie Brocas, erklärte, der Mann sei nach Zeugenaussagen durch die Explosion einer in das Feuer gelegten Spraydose verletzt worden. Er konnte sich laut Berichten laufend befreien, wurde in die Universitätsklinik gebracht und für mehrere Tage arbeitsunfähig geschrieben. Die Polizei leitete Ermittlungen ein. Die Lycées Montaigne und François-Mauriac wurden am Nachmittag geräumt. Das Schulrektorat Bordeaux bestätigte den Vorfall in einer Pressemitteilung.
Am Mittwoch, 30. September, wurde das Lycée Gustave-Eiffel von mehreren hundert Schülern blockiert. Dort in Brand gesetzte Müllcontainer setzten nach Berichten von Rue89Bordeaux und BFM TV die Fassaden benachbarter Gebäude in Brand. Die Präfektur meldete für die Gironde zehn Festnahmen, vor allem wegen vorsätzlicher Zerstörung durch Brandstiftung, Sachbeschädigung sowie Wurfgeschossen und Feuerwerksmörsern gegen Einsatzkräfte. Sechs Personen wurden verletzt, darunter fünf Schüler, die nach Angaben der Präfektur von anderen Schülern angegriffen worden waren, sowie eine Beschäftigte einer Gebietskörperschaft. Zwei Schulen wurden geschlossen, an vier weiteren wurden Schutzmaßnahmen angeordnet, bei denen Schüler und Personal im Gebäude bleiben mussten. Die Schüler gaben an, die Polizei habe Tränengas gegen sie eingesetzt. Der Rektor der Académie de Bordeaux, Jean-Marc Huart, sprach am Abend von unglaublichen Bildern und reiner Gewalt, die er entschieden verurteile.
Am Donnerstag, 1. Oktober, wurden nach Angaben von France 3 erneut die Lycées Pape-Clément, Les Menuts, Gustave-Eiffel, François-Mauriac, Trégey und Daguin blockiert. Es kam zu Bränden von Müllcontainern, Feuerwerksmörsern und Störungen im Straßenbahnnetz der Verkehrsbetriebe TBM. Schüler berichteten von Jugendlichen, die nicht zu ihrer Schule gehörten; ein Lycée blieb den ganzen Tag geschlossen. Nach einem Bericht der Bordeaux Gazette erreichte die Bewegung auch das Institut Sciences Po Bordeaux.
Marseille
Am Lycée Victor-Hugo wurden am Donnerstagmorgen nach Angaben der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur der Schulleiter, sein Stellvertreter, die Verwaltungsleiterin und ein Teamleiter angegriffen und mit Benzin übergossen. Im Inneren der Schule sei es zu einem Brandstiftungsversuch gekommen; die Eingangstür wurde in Brand gesetzt und drohte einzustürzen. Das gesamte Personal flüchtete in das Gebäude. Die Schulleitung kündigte Strafanzeigen an. Die Region sprach von einer inakzeptablen Grenzüberschreitung. Die Staatsanwaltschaft bestätigte laut Reuters, dass der Schulleiter verletzt wurde, ohne Einzelheiten zu nennen.
Am Lycée Saint-Exupéry in Marseille umringten nach Polizeiangaben mehrere hundert Jugendliche ein Feuerwehrfahrzeug, das zu einem Brand ausgerückt war. Die Angreifer zwangen die Feuerwehrleute, das Fahrzeug zu verlassen, und zündeten es an. In der Nähe des Lycée Floride im 14. Arrondissement wurden laut dem Sender ICI Provence zwei Busse beschädigt.
Nantes
Im Zentrum von Nantes wurde am Donnerstagvormittag die Eingangshalle des Lycée Nelson-Mandela auf der Île de Nantes bei der Blockade durch ein Feuer zerstört, wie eine AFP-Journalistin vor Ort feststellte. Die stellvertretende Schulleiterin Gaëlle Cordier sprach gegenüber AFP von vorsätzlicher Brandstiftung; das Feuer habe auf die Fassade übergegriffen, bevor es unter Kontrolle gebracht wurde. Das Gebäude wurde evakuiert, ankommende Schüler wurden abgewiesen. Der Beigeordnete des Bürgermeisters, Olivier Chateau, sagte franceinfo, der Brand sei unter Kontrolle, verletzt worden sei niemand. Die Schule hat nach eigenen Angaben mehr als 1.700 Schüler und Studierende.
Die Präsidentin der Region Pays de la Loire, Christelle Morançais, schrieb in sozialen Netzwerken, das Lycée Mandela im Herzen von Nantes brenne, an Dutzenden weiteren Orten gebe es Feuer. Sie sprach von denselben Randalierern, derselben Gewalt und derselben politischen Instrumentalisierung überall; es gebe keine Forderung zu erfüllen, sondern nur den Willen, „Chaos zu säen und alles zu zerstören“. Die Gewalt repräsentiere nicht die französische Jugend.
Lyon, Grenoble und die Region Auvergne-Rhône-Alpes
Im Großraum Lyon waren am Donnerstagmorgen nach Angaben von France 3 rund 40 Schulen betroffen; der Sender meldete 38 Festnahmen. Am Lycée Lumière im 8. Arrondissement wurde nach Angaben der Präfektur ein Brand an der Fassade gemeldet, die Schule wurde evakuiert. Einige Schulen blieben vorsorglich geschlossen, darunter das Lycée Saint-Exupéry im 4. Arrondissement, das auf Fernunterricht umstellte, sowie das Lycée Doisneau in Vaulx-en-Velin. Lokalmedien berichteten von Feuerwerksmörsern, brennenden Müllcontainern, Tränengas und einem verletzten Collège-Schüler. Bereits am Dienstag hatte es in Lyon, Villeurbanne und Décines-Charpieu Blockaden mit Feuerwerksmörsern, Wurfgeschossen und Mülltonnenbränden gegeben; in Caluire-et-Cuire brannte am Mittwoch ein Auto vor dem Lycée André-Cuzin.
In Villefontaine (Isère) kam es am Donnerstagmorgen laut Regionalberichten zu heftigen Zusammenstößen zwischen Einsatzkräften und vermummten Jugendlichen, die sich unter die Kundgebung der Schüler des Lycée Léonard-de-Vinci gemischt hatten. In Grenoble brannte eine Barrikade nahe dem Lycée Mounier.
Lille, Rennes, Straßburg und der Pariser Raum
In Lille schlossen sich Studierende den Schülern an. Die Polizei griff nahe dem Lycée Faidherbe ein; es wurden Barrikaden errichtet und Feuer gelegt. Der Guardian berichtete vom Einsatz von Tränengas sowie beschädigten Bushaltestellen und brennenden Müllcontainern. In Rennes wurde das Lycée Bréquigny, das größte Lycée der Bretagne, am frühen Morgen blockiert. Das Straßburger Stadtmagazin Pokaa meldete mehrere blockierte Schulen, brennende Müllcontainer, beschädigte Infrastruktur, Festnahmen und Auseinandersetzungen mit der Polizei.
In Saint-Denis bei Paris standen am Donnerstag laut Reuters Menschenmengen junger Leute einer Polizeikette vor dem Lycée Paul-Éluard gegenüber. Die Bewegung hat inzwischen auch Hochschulen erfasst; der Liveticker von Le Monde nannte rund 30 betroffene Hochschulstandorte.
Die Regierung: von „unverantwortlich“ zu „urbaner Gewalt“
Premierminister Sébastien Lecornu bezeichnete am Montag, 28. September, jede Eskalation der Proteste als unverantwortlich und sprach mit Blick auf Abgeordnete von LFI von einer unverantwortlichen Überbietung.
Staatspräsident Emmanuel Macron äußerte sich am Mittwoch, 30. September, auf einer Pressekonferenz mit dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez in Madrid. Er höre und verstehe die Ängste und manchmal auch die Wut der Jugend – mit Blick auf das Klima, technologische Entwicklungen und geopolitische Lagen. Er wolle darauf mit der Regierung so konkret wie möglich antworten. Gewalt, gleich welcher Art, sei jedoch durch nichts zu rechtfertigen. Ohne Namen zu nennen, richtete er sich an Politiker, die vor den Schulen aufgetreten waren: Verantwortliche seien nicht dazu da, Ängste zu schüren und das Schlimmste geschehen zu lassen. Er habe gesehen, wie Jugendliche – ob Schüler oder Gelegenheitstäter vor denselben Schulen – Journalisten misshandelten; das sei inakzeptabel. Macron rief zur Ruhe auf, erklärte seine Solidarität mit Familien, Lehrkräften und Sicherheitskräften und kündigte an, dass im Fall von Fehlverhalten der Sicherheitskräfte Verfahren eingeleitet werden müssten.
Bildungsminister Geffray bezeichnete die Forderungen nach besseren Bedingungen als legitim, lehnte Gewalt aber ab. Er kündigte eine Beteiligungsplattform an, auf der sich alle Schüler einbringen könnten, und ordnete an, dass in blockierten Lycées Fernunterricht angeboten wird. Nach Angaben aus dem Umfeld des Premierministers will er die Vertretungsorganisationen der Schüler empfangen.
Am Donnerstag, 1. Oktober, leitete Lecornu einen interministeriellen Krisenstab. Daran nahmen nach Berichten von Europe 1 und BFM TV unter anderem Innenminister Nuñez, Bildungsminister Geffray, Hochschulminister Philippe Baptiste und Justizminister Gérald Darmanin teil. Matignon erklärte im Anschluss, nach einer von den Nachrichtendiensten geteilten Feststellung seien LFI und deren Verbündete in der extremen Linken der Ursprung der Bewegung; es handle sich um ein organisiertes Manöver. Es gehe nicht mehr um Schulblockaden, sondern um urbane Gewalt. Die Eskalation mache die Fortführung des Unterrichts in einer Reihe von Lycées nahezu unmöglich und setze Personal und Schüler einer Gefahr aus. Justizminister Darmanin lud die 36 Generalstaatsanwälte für 17.30 Uhr zu einer Videokonferenz.
Die Darstellung einer gesteuerten Bewegung ist eine Position der Regierung. Eine unabhängige Bestätigung der von Matignon angeführten nachrichtendienstlichen Erkenntnisse lag bis zum Redaktionsschluss nicht vor.
La France Insoumise, Rassemblement National und regionale Stimmen
Jean-Luc Mélenchon, Präsidentschaftskandidat von LFI, hatte am Montag die Mitglieder seiner Bewegung aufgefordert, sich zwischen die Schüler und die Sicherheitskräfte zu stellen, wo immer sie könnten. Er warf der Regierung vor, die Repression angeordnet zu haben, und sprach dabei laut dem belgischen Sender RTBF von einem offensichtlich rassistischen Beigeschmack. Am Mittwoch reagierte er auf X auf Macron: Dieser billige die Polizeigewalt, die er selbst gegen die Jugendlichen angeordnet habe. In einer weiteren Nachricht erklärte Mélenchon, LFI rufe zu gewaltfreien Kampfmethoden auf. Die mobilisierten Schüler seien klar in ihren Forderungen: mehr Mittel für ihre Bildung.
Der LFI-Bürgermeister von Saint-Denis, Bally Bagayoko, war am Dienstag, 29. September, vor dem blockierten Lycée Paul-Éluard erschienen. Gegenüber BFM TV sagte er, Gewalt könne zu einem bestimmten Zeitpunkt legitim sein; jedes Mal, wenn man sie vermeiden könne, sei es jedoch besser. Den Vorwurf, er habe das Anzünden eines Müllcontainers ermutigt, wies er zurück und sprach von einem von der extremen Rechten verbreiteten Hintergrundrauschen. Die Forderungen der Schüler bezeichnete er als legitim. Der LFI-Abgeordnete Louis Boyard erklärte, die Schüler erwarteten politische Antworten.
Nach der Erklärung von Matignon am Donnerstag sagte LFI-Koordinator Manuel Bompard gegenüber AFP, er rufe die Regierung auf, nicht „in Verschwörungsdenken abzugleiten“ und die Schüler nicht zu infantilisieren.
Die RN-Abgeordnete Laure Lavalette (Var) sagte am Donnerstag im Interview bei Europe 1 und CNews, Gewalt und Chaos seien die Vorgehensweise von LFI.
Europe 1 berichtete, die USL werde dem linksextremen Spektrum zugerechnet und bezeichne sich selbst als antifaschistisch, ökologisch und feministisch. Sie habe den örtlichen Protest in Créteil gezielt auf weitere Schulen im Pariser Umland und dann landesweit ausweiten wollen. Vor den Schulen seien weitere Gruppen aufgetreten, etwa das studentische Kollektiv Le Poing levé, das der Partei Révolution permanente nahestehe.
Der Historiker der Schüler- und Studentenbewegungen Robi Morder sagte gegenüber Public Sénat, das Szenario sei nicht neu: Blockaden, materielle Forderungen und Vorwürfe der Einflussnahme von außen gehörten zum klassischen Muster von Schülerprotesten. Soziologen betonten laut Public Sénat die Eigenständigkeit der Schüler.
Quellen
- Reuters: Injuries and arrests as French high school student protests spread (30.09.2026) – https://www.reuters.com/world/dozens-injured-french-student-protests-over-school-resources-2026-09-30/
- Reuters: Attackers douse teacher in petrol as student protests rage across France (01.10.2026) – https://www.reuters.com/world/europe/attackers-douse-teacher-petrol-student-protests-rage-across-france-2026-10-01/
- Euronews: Hundreds held, dozens wounded as protests over conditions in French schools escalate (01.10.2026) – https://www.euronews.com/2026/10/01/hundreds-held-dozens-wounded-as-protests-over-conditions-in-french-schools-escalate
- Europe 1 / AFP, Liveticker (01.10.2026) – https://www.europe1.fr/societe/en-direct-blocus-des-lycees-sebastien-lecornu-presidera-une-cellule-interministerielle-de-crise-a-13-heures-1115672
- franceinfo, Liveticker (01.10.2026) – https://www.franceinfo.fr/societe/education/scolarite/guide-parents/lycee/direct-blocage-des-lycees-les-eleves-et-les-etudiants-appeles-a-un-acte-deux-de-la-mobilisation-malgre-les-violences_8217775.html
- franceinfo: Comment le mouvement de blocage des lycées s'est propagé en France – https://www.franceinfo.fr/societe/education/blocage-des-lycees/la-mobilisation-a-pris-une-ampleur-inattendue-comment-le-mouvement-de-blocage-des-lycees-s-est-propage-en-france_8216054.html
- franceinfo: Blocages des lycées, le point région par région (01.10.2026) – https://www.franceinfo.fr/societe/education/parcoursup/parcoursup/manifestations-des-lyceens/blocages-des-lycees-le-point-sur-la-mobilisation-jeudi-matin_8217799.html
- franceinfo: Macron zu den Blockaden (30.09.2026) – https://www.franceinfo.fr/societe/education/video-blocages-des-lycees-en-aucun-cas-des-responsables-politiques-ne-sauraient-legitimer-une-violence-declare-emmanuel-macron_8216425.html
- LCP: « Rien ne légitime la violence », réagit Emmanuel Macron – https://lcp.fr/actualites/blocages-de-lycees-rien-ne-legitime-la-violence-reagit-emmanuel-macron-442723
- Le Monde, Liveticker (01.10.2026) – https://www.lemonde.fr/societe/live/2026/10/01/en-direct-blocus-des-lycees-des-etablissements-affectes-partout-en-france-une-trentaine-de-facultes-rejoignent-la-contestation_6786491_3224.html
- Le Monde: High school protests spread across France (29.09.2026) – https://www.lemonde.fr/en/france/article/2026/09/29/high-school-protests-spread-across-france-pitting-radical-left-against-government_6758067_7.html
- The Guardian, Europe live (01.10.2026) – https://www.theguardian.com/world/live/2026/oct/01/europe-latest-news-updates-russia-strikes-ukraine-nato
- RTBF: Que se passe-t-il dans les lycées en France ? – https://www.rtbf.be/article/blocages-degradations-arrestations-de-mineurs-que-se-passe-t-il-dans-les-lycees-en-france-11792600
- Public Sénat: « Une fois sorti du tube, le dentifrice ne rentre plus » – https://www.publicsenat.fr/actualites/politique/blocus-des-lycees-une-fois-sorti-du-tube-le-dentifrice-ne-rentre-plus
- Le Parisien: Saint-Ouen (24.09.2026) – https://www.leparisien.fr/seine-saint-denis-93/je-me-suis-senti-a-bagdad-scene-demeutes-devant-un-lycee-de-saint-ouen-en-marge-dun-blocus-des-eleves-24-09-2026-AOSZLC6CYVEQFPU37MUV7XRBAI.php
- Citoyens.com: Premiers mouvements lycéens dans l'académie de Créteil (25.09.2026) – https://citoyens.com/2026/premiers-mouvements-lyceens-et-quelques-blocus-dans-lacademie-de-creteil,25-09-2026.html
- Académie de Bordeaux, Pressemitteilung – https://www.ac-bordeaux.fr/communique-de-presse-134352
- France 3 Nouvelle-Aquitaine: Pompier blessé rue Sainte-Catherine – https://france3-regions.franceinfo.fr/nouvelle-aquitaine/gironde/bordeaux/blocage-des-lycees-un-pompier-blesse-par-l-explosion-d-un-aerosol-en-flammes-rue-sainte-catherine-a-bordeaux-3425264.html
- France 3 Nouvelle-Aquitaine: Le blocus des lycées continue à Bordeaux (01.10.2026) – https://france3-regions.franceinfo.fr/nouvelle-aquitaine/gironde/bordeaux/etablissements-brules-colonne-de-fumees-tramways-perturbes-le-blocus-des-lycees-continue-a-bordeaux-3426093.html
- Rue89Bordeaux: Incidents ce mercredi à Bordeaux – https://rue89bordeaux.com/2026/09/les-jeunes-veulent-davantage-etre-entendus-la-mobilisation-des-lyceens-se-poursuit-des-incidents-ce-mercredi-a-bordeaux/
- TF1 Info: Les images de la colère aux abords des lycées – https://www.tf1info.fr/societe/reportage-nantes-bordeaux-marseille-angers-lille-nos-combats-legitimes-vont-etre-discredites-tirs-de-mortier-incendies-les-images-de-la-colere-qui-degenere-aux-abords-des-lycees-2467424.html
- Bordeaux Gazette: La mobilisation s'étend à Sciences Po – https://www.bordeaux-gazette.com/a-bordeaux-la-mobilisation-des-lyceens-se-poursuit-et-s-etend-a.html
- LaPresse: Un proviseur aspergé d'essence à Marseille (01.10.2026) – https://fr.lapresse.it/etranger-fr/2026/10/01/france-nouvelles-manifestations-dans-les-lycees-un-proviseur-asperge-dessence-a-marseille/
- France 3 Auvergne-Rhône-Alpes: Blocage des lycées à Lyon – https://france3-regions.franceinfo.fr/auvergne-rhone-alpes/rhone/lyon/direct-blocage-des-lycees-a-lyon-pres-de-30-etablissements-touches-dix-interpellations-3426129.html
- Pokaa: En direct à Strasbourg (01.10.2026) – https://pokaa.fr/2026/10/01/en-direct-a-strasbourg-les-blocages-des-lycees-sintensifient-entre-interpellations-et-revendications/
- Anadolu/Kayhan: Over 400 arrested amid high school blockades – https://kayhan.ir/en/news/154254/over-400-arrested-amid-high-school-blockades-in-france
- Préfecture de la Gironde: Le feu de Saumos est désormais éteint – https://www.gironde.gouv.fr/Actualites/Communiques-de-presse/Communiques-de-presse-2026/Septembre-2026/Le-feu-de-Saumos-est-desormais-eteint
- France 3 Nouvelle-Aquitaine: Le feu de Saumos est désormais éteint – https://france3-regions.franceinfo.fr/nouvelle-aquitaine/gironde/bordeaux/incendie-en-gironde-apres-deux-mois-et-plus-de-42-000-hectares-parcourus-le-feu-de-saumos-est-desormais-eteint-3424742.html































