
Peter Daszak, Wuhan und die Spur zu Fauci: Was von der „Verschwörungstheorie" übrig blieb...

Peter Daszak, Wuhan und die Spur zu Fauci
Was von der „Verschwörungstheorie" übrig blieb...
Es gibt Geschichten, die werden widerlegt. Und es gibt Geschichten, bei denen sich Jahre später herausstellt, dass die entscheidende Frage nicht lautete, warum Menschen sie glaubten – sondern warum man so früh darauf bestand, sie nicht einmal untersuchen zu müssen.
Die Herkunft von SARS-CoV-2 gehört inzwischen in die zweite Kategorie.
Noch immer ist nicht bewiesen, dass SARS-CoV-2 aus dem Wuhan Institute of Virology (WIV) entwichen ist. Ebenso wenig ist bewiesen, dass das Pandemievirus dort konstruiert wurde. Wer das behauptet, geht über die vorhandene Beweislage hinaus.
Bewiesen ist inzwischen jedoch etwas anderes: In Wuhan wurde mit Fledermaus-Coronaviren experimentiert. US-Steuergelder gelangten über die EcoHealth Alliance an das Wuhan Institute of Virology. Dort wurden unter anderem chimäre Coronaviren untersucht. Peter Daszak, der damalige Präsident von EcoHealth, arbeitete über Jahre mit der WIV-Forscherin Shi Zhengli zusammen. Ein später abgelehnter Forschungsantrag sah sogar Experimente mit Furin-Spaltstellen vor.
Das US-Gesundheitsministerium sperrte Daszak und EcoHealth schließlich von Bundesfördermitteln. Und ein ehemaliger hochrangiger Fauci-Berater hat inzwischen vor einem Bundesgericht eingeräumt, gemeinsam mit anderen Kommunikation
über die umstrittene Coronavirus-Forschungsförderung bewusst vor der Öffentlichkeit verborgen zu haben.
Das ist keine Theorie mehr. Die offene Frage lautet vielmehr: Wie weit reicht die Geschichte?
Stand: August 2026
Inhaltsübersicht
Teil 1 – Die wissenschaftliche Ausgangslage
1. Der Mann zwischen Washington und Wuhan
2. Gain of Function – der Streit um ein Wort
3.DEFUSE – der Antrag, der heute anders gelesen wird
Teil 2 – Der Interessenkonflikt
4. Und dann wurde ausgerechnet Daszak zum Gegner der Laborhypothese
5. Daszak untersucht Daszak
Teil 3 – Was 2026 ans Licht kam
6. Das FBI-Dokument: „Nicht stoppen"
7. Der Fall David Morens verändert alles
8. Wer ist „Co-Conspirator 1"?
9. Daszak ist bereits sanktioniert
Teil 4 – Die wissenschaftliche Manipulationsfrage
10. Die „geschnippelte" Virusfrage
11. Was die Geheimdienste inzwischen sagen
Teil 5 – Die deutsche Spur
12. Und dann ist da Christian Drosten
13. Was wusste Drosten über Daszak?
14. Könnte es für Drosten „eng" werden?
15. Neue Dokumente verschärfen genau diese Frage
Teil 6 – Einordnung
16. Das eigentliche Muster
17. Die Fledermaus, die nicht verschwinden will
18. Quellen
Teil 1 – Die wissenschaftliche Ausgangslage
1. Der Mann zwischen Washington und Wuhan
Peter Daszak war über Jahre eine der wichtigsten westlichen Verbindungen zur Coronavirus-Forschung in China.
Seine EcoHealth Alliance erhielt vom amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) Fördermittel für das Projekt „Understanding the Risk of Bat Coronavirus Emergence". Das NIAID wurde damals von Anthony Fauci geleitet. EcoHealth vergab wiederum einen Teil der Mittel als Subaward an das Wuhan Institute of Virology. Genau diese Förderkette ist heute amtlich dokumentiert:
NIAID/NIH → EcoHealth Alliance → Wuhan Institute of Virology.
Das WIV sammelte gemeinsam mit Partnern Fledermaus-Coronaviren, sequenzierte sie und untersuchte, welche Eigenschaften ihre Spike-Proteine besitzen und unter welchen Umständen sie menschliche Zellen infizieren können.
Der amerikanische Geheimdienstbericht von 2023 bestätigte zudem, dass das WIV bereits vor der Pandemie chimäre SARS-ähnliche Coronaviren erzeugt hatte.
Das allein beweist keinen Zusammenhang mit SARS-CoV-2. Aber es verändert die Ausgangsfrage fundamental: Die Vorstellung eines Laborunfalls entstand nicht deshalb, weil zufällig irgendwo in Wuhan ein biologisches Labor stand. Dort wurde tatsächlich genau an jener Virusgruppe gearbeitet, aus der wenige Jahre später SARS-CoV-2 hervorging.
2. Gain of Function – der Streit um ein Wort
Jahrelang wurde darüber gestritten, ob die von EcoHealth finanzierte Forschung als Gain-of-Function-Forschung bezeichnet werden durfte.
Der Begriff wurde dabei teilweise so unterschiedlich definiert, dass zwei Aussagen gleichzeitig möglich wurden: Man konnte feststellen, dass ein Virus durch ein Experiment bestimmte Eigenschaften hinzugewann – und dennoch argumentieren, das Experiment falle nicht unter die regulatorische Definition der besonders überwachten „Gain-of-Function Research of Concern". Dieser semantische Konflikt spielte auch bei Faucis Auseinandersetzungen mit Senator Rand Paul eine zentrale Rolle.
Inzwischen ist die Dokumentenlage bemerkenswert. Der damalige stellvertretende NIH-Direktor Lawrence Tabak bestätigte 2024 vor dem US-Kongress, dass bei den von EcoHealth finanzierten Wuhan-Experimenten tatsächlich Forschung stattgefunden hatte, die er als Gain of Function bezeichnete. Der Abschlussbericht des Corona-Untersuchungsausschusses des Repräsentantenhauses formulierte noch deutlicher:
„EcoHealth Alliance facilitated gain-of-function research at the Wuhan Institute of Virology."
Das ist eine Feststellung des republikanisch geführten Untersuchungsausschusses – keine gerichtliche Feststellung über den Ursprung von SARS-CoV-2. Aber die jahrelang verbreitete vereinfachende Aussage, in Wuhan habe es überhaupt keine derartige Forschung gegeben, lässt sich mit der heutigen Aktenlage kaum noch aufrechterhalten.
3. DEFUSE – der Antrag, der heute anders gelesen wird
Besonders brisant ist ein Forschungsantrag aus dem Jahr 2018. EcoHealth Alliance beantragte gemeinsam mit Partnern beim Forschungsarm des US-Verteidigungsministeriums DARPA Geld für das Projekt DEFUSE.
Das Projekt sollte neuartige SARS-verwandte Fledermaus-Coronaviren untersuchen. Dazu gehörten Arbeiten mit Spike-Proteinen, chimären Viren und – besonders bemerkenswert – Experimente mit proteolytischen Spaltstellen, darunter Furin-Spaltstellen.
Warum ist das interessant? Weil SARS-CoV-2 eine auffällige Furin-Spaltstelle am Übergang S1/S2 seines Spike-Proteins besitzt.
Der Antrag wurde von DARPA nicht finanziert. Und genau hier muss journalistische Präzision einsetzen: Es gibt bislang keinen Beweis dafür, dass das im DEFUSE-Antrag beschriebene Experiment anschließend heimlich in Wuhan durchgeführt wurde. Aber es gibt nun einen dokumentierten Forschungsplan aus dem unmittelbaren wissenschaftlichen Umfeld von EcoHealth und WIV, der wenige Jahre vor der Pandemie Arbeiten an SARS-verwandten Coronaviren mit einer Eigenschaft vorsah, die später bei SARS-CoV-2 zu einem zentralen Gegenstand der Ursprungsdebatte wurde.
Der Kongressbericht von 2024 bezeichnet diese Übereinstimmung ausdrücklich als bemerkenswert. Das ist kein Beweis. Aber es ist ein Indiz, das eine Untersuchung verdient.
Teil 2 – Der Interessenkonflikt
4. Und dann wurde ausgerechnet Daszak zum Gegner der Laborhypothese
Am 19. Februar 2020, als die wissenschaftliche Datenlage über den Ursprung des Virus noch ausgesprochen dünn war, erschien im Fachjournal The Lancet ein Statement von 27 Wissenschaftlern. Darin wurden Theorien, wonach COVID-19 keinen natürlichen Ursprung habe, als „conspiracy theories" verurteilt.
Zu den Unterzeichnern gehörten Peter Daszak, Jeremy Farrar und Christian Drosten. Später wurde bekannt, dass ausgerechnet Daszak an der Organisation dieses Statements beteiligt gewesen war.
Das ist deshalb problematisch, weil Daszak keineswegs ein unbeteiligter Wissenschaftler war. Seine Organisation hatte Forschung am Wuhan Institute of Virology finanziert. Er hatte mit Shi Zhengli publiziert. Er war Principal Investigator des relevanten NIH-Projekts. Und EcoHealth war am DEFUSE-Antrag beteiligt.
Damit hatte einer der Männer mit den engsten institutionellen Verbindungen zum verdächtigten Labor gleichzeitig an einer Erklärung mitgewirkt, die Spekulationen über einen nicht natürlichen Ursprung öffentlich als Verschwörungstheorie brandmarkte. Das beweist keine Vertuschung des Ursprungs. Es dokumentiert aber einen erheblichen Interessenkonflikt.
5. Daszak untersucht Daszak
Noch bemerkenswerter wurde die Situation 2021. Die WHO entsandte ein internationales Team nach China, um den Ursprung der Pandemie zu untersuchen. Mit dabei: Peter Daszak.
Damit saß ein Wissenschaftler in der internationalen Untersuchungsmission, dessen eigene Organisation Forschungsbeziehungen zu genau jenem Institut unterhalten hatte, dessen mögliche Rolle untersucht werden musste. Die WHO-China-Mission stufte einen Laborunfall anschließend als „extremely unlikely" ein.
Später wurde diese Einschätzung selbst innerhalb der WHO relativiert. Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, die Laborhypothese sei nicht ausreichend untersucht worden und weitere Daten seien notwendig.
Das Problem liegt auf der Hand: Ein potenzieller Interessenkonflikt war nicht irgendein Randaspekt der Untersuchung. Er saß mit am Tisch.
Teil 3 – Was 2026 ans Licht kam
6. Das FBI-Dokument: „Nicht stoppen"
Am 20. Juli 2026 veröffentlichte der Homeland Security and Governmental Affairs Committee des US-Senats – unter Vorsitz von Senator Rand Paul – bislang nicht öffentliche Unterlagen.¹ Fox News berichtete ausführlich über die freigegebenen Dokumente.¹
Sie betreffen Daszaks Rückkehr aus China am 5. Februar 2021. Daszak kam gerade von der WHO-Untersuchung in Wuhan zurück. Die US-Grenzschutzbehörde Customs and Border Protection (CBP) hatte ihn intern als „an extremely high person of interest" eingestuft.
Die Beamten wollten ihn bei seiner Ankunft am JFK Airport stoppen, durchsuchen und befragen. Die Fragen sollten sich unter anderem auf seine Beziehungen zum Wuhan Institute of Virology, seine Forschungsaktivitäten in China und darauf beziehen, ob er biologische Proben gesammelt oder transportiert hatte. Die veröffentlichten Unterlagen enthalten laut Fox News detaillierte Flugpläne, vorbereitete Verhörfragen sowie interne E-Mails, die den behördeninternen Streit über die geplante Kontrolle dokumentieren.¹
Dann geschah etwas Bemerkenswertes. Drei Tage vor seiner Ankunft erhielt CBP nach den veröffentlichten Unterlagen eine Nachricht vom New Yorker FBI-Büro: **„FBI New York requested we do not stop the subject below."**¹ Die geplante Kontrolle fand nicht statt.
Warum das FBI intervenierte, ist bis heute eine der interessanteren offenen Fragen dieser Geschichte. Rand Paul selbst kommentierte die Veröffentlichung mit den Worten: „This isn't the whole story. It's the start of one." Er kündigte an, weitere Dokumente fortlaufend nachzureichen.¹
Das Dokument beweist keine Vertuschung durch das FBI. Es beweist aber, dass amerikanische Sicherheitsbehörden Daszak 2021 offenbar wesentlich interessanter fanden, als die Öffentlichkeit damals erfahren hatte.
7. Der Fall David Morens verändert alles
Und dann kommt 2026. David Morens war von 2006 bis 2022 Senior Adviser im Büro des NIAID-Direktors – also im institutionellen Umfeld Anthony Faucis.²
Im April 2026 wurde Morens vom US-Justizministerium angeklagt und laut dem Wissenschaftsmagazin Science der amerikanischen Wissenschaftsgesellschaft AAAS dramatisch von bewaffneten Beamten zu Hause festgenommen, kurzzeitig inhaftiert und gegen eigene Verpflichtung wieder freigelassen.³ Am **18./19. August 2026 bekannte er sich vor einem Bundesgericht in Greenbelt, Maryland, schuldig.**²
Damit verlassen wir endgültig das Gebiet politischer Anschuldigungen. Nach seinem Schuldeingeständnis verschworen sich Morens und weitere Beteiligte während der Pandemie, Kommunikation über die umstrittene Coronavirus-Forschungsförderung vor FOIA-Anfragen und dem Federal Records Act zu verbergen. Dafür wurde unter anderem Morens' privates Gmail-Konto benutzt.⁴
Die Kommunikation betraf nach Angaben des US-Justizministeriums (DOJ) ausdrücklich die Wiederherstellung der gestrichenen Coronavirus-Forschungsförderung, interne NIH-Informationen, Schreiben an die NIH-Führung sowie Bemühungen, der Darstellung eines Laborursprungs entgegenzutreten.⁴
Besonders bemerkenswert: Informationen wurden laut DOJ über einen „back-channel" an einen hochrangigen NIAID-Verantwortlichen weitergegeben, in den Gerichtsunterlagen anonymisiert als „Senior NIAID Official 1". Nach Angaben von CBS News lassen die Gerichtsakten erkennen, dass es sich dabei „offenbar" um Anthony Fauci selbst handelt.⁵ Das DOJ nennt diese Person bislang nicht öffentlich beim Namen; deshalb wäre es unzulässig, dies automatisch als erwiesen zu behaupten.
Fauci selbst hatte bereits 2024 vor dem Kongress erklärt, Morens sei „kein Berater für Institutspolitik oder andere inhaltliche Fragen" für ihn gewesen, und betont, von diesen Kommunikationswegen nichts gewusst zu haben; er habe nicht versucht, Daszak zu schützen.³ Nach dem Morens-Geständnis erklärte FBI-Direktor Kash Patel öffentlich auf der Plattform X: „After an FBI investigation with our DOJ partners, Dr. Fauci's associate, David Morens, just pleaded guilty to conspiracy in a scheme to avoid FOIA requests and the Federal Records Act connected to COVID-19 research grants."⁶ Patel fügte hinzu, das FBI werde weiter ermitteln und „no one is above the law".³
Noch bemerkenswerter ist ein weiterer Teil des Schuldeingeständnisses. Morens räumte eine Vereinbarung über unerlaubte Zuwendungen ein. Einer der Mitverschwörer schenkte ihm zwei Flaschen kalifornischen Wein für seine Aktivitäten hinter den Kulissen; nach Angaben von Science/AAAS begleitete diese Sendung ein E-Mail mit dem Wortlaut, dies solle der Auftakt einer fortgesetzten Dankbarkeit für Morens' „behind-the-scenes shenanigans" im Kampf gegen „your bosses boss, his boss, and the ultimate boss on the hill" sein.³ Morens sollte im Gegenzug unter anderem einen wissenschaftlichen Kommentar verfassen, der für einen natürlichen Ursprung von COVID-19 argumentierte.
Das ist keine Interpretation eines Bloggers. Das steht inzwischen in der offiziellen Mitteilung des US-Justizministeriums, Bezirk Maryland.⁴ Morens droht bei der für den 12. November 2026 angesetzten Urteilsverkündung eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren sowie eine Geldstrafe von bis zu 250.000 Dollar.²
8. Wer ist „Co-Conspirator 1"?
Hier wird es journalistisch besonders interessant.
Das DOJ anonymisiert die Mitverschwörer. Es beschreibt „Co-Conspirator 1" jedoch ausdrücklich als Präsident und CEO einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in New York, die 2014 einen Grant mit dem Titel „Understanding the Risk of Bat Coronavirus Emergence" erhielt – ein Grant, dessen Subaward an das Wuhan Institute of Virology ging und den das NIH im April 2020 nach den Vorwürfen zum Laborursprung beendete.⁴ Die Beschreibung weist damit offensichtlich in Richtung des EcoHealth-Komplexes und Peter Daszaks.
Eine formelle Anklage gegen Peter Daszak aufgrund dieses Morens-Verfahrens ist daraus bislang nicht abzuleiten. Das muss ausdrücklich festgehalten werden. Aber plötzlich treffen mehrere Stränge aufeinander: EcoHealth. Wuhan. NIAID. Morens. FOIA-Umgehung. Das Laborursprungs-Narrativ. Und ein strafrechtliches Schuldeingeständnis.
Deshalb dürfte der Morens-Fall für Daszak wesentlich unangenehmer sein als frühere Kongressanhörungen. Sender Rand Paul kommentierte den Fall auf X mit den Worten „Long-time Fauci ally pleads guilty" und der Frage, ob das Geständnis auch Fauci belasten könnte.⁷
9. Daszak ist bereits sanktioniert
Unabhängig von einem Strafverfahren hat die US-Regierung längst Konsequenzen gezogen.
Bereits im Mai 2024 gab das Department of Health and Human Services (HHS) nach eigenen Angaben die sofortige Sperrung EcoHealths sowie – eine Woche später – die persönliche Debarment Peter Daszaks bekannt, nachdem der Corona-Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses entsprechende Erkenntnisse veröffentlicht hatte.⁸ Im Januar 2025 schloss das HHS sowohl EcoHealth Alliance als auch Peter Daszak formell für fünf Jahre von US-Bundesfördermitteln aus.
Das HHS begründete die Maßnahme mit schweren Verstößen gegen Förderbedingungen und mangelnder Aufsicht über die Forschungsarbeiten in Wuhan; ein Verweisschreiben des HHS hält laut dem US-Abgeordneten Michael Cloud ausdrücklich fest, die Schlussfolgerung des NIH, wonach die WIV-Forschung wahrscheinlich gegen NIH-Biosicherheitsprotokolle verstoßen habe, sei „unbestritten".⁸ EcoHealth hatte Daszaks Beschäftigung bereits zuvor beendet.
Damit ist auch hier die Unterscheidung wichtig: Daszak wurde nicht wegen der Erschaffung von SARS-CoV-2 verurteilt. Aber die Organisation, die amerikanische Forschungsgelder nach Wuhan weiterleitete, und ihr damaliger Präsident wurden nach jahrelangen Untersuchungen offiziell von weiteren Bundesmitteln ausgeschlossen.
Teil 4 – Die wissenschaftliche Manipulationsfrage
10. Die „geschnippelte" Virusfrage
Schon Anfang 2020 gab es Wissenschaftler, denen bestimmte Eigenschaften von SARS-CoV-2 ungewöhnlich erschienen. Besonders bekannt wurde ein Preprint indischer Forscher mit dem Titel „Uncanny similarity of unique inserts in the 2019-nCoV spike protein to HIV-1 gp120 and Gag".
Die Autoren beschrieben kurze Sequenzähnlichkeiten zwischen Bereichen des SARS-CoV-2-Spikeproteins und HIV-Proteinen. Die Arbeit verbreitete sich explosionsartig. Sie wurde jedoch sehr schnell wissenschaftlich kritisiert und anschließend zurückgezogen.
Warum? Weil sehr kurze Aminosäuresequenzen in großen Sequenzdatenbanken zufällig beziehungsweise bei vielen Organismen vorkommen können. Aus diesen Ähnlichkeiten ließ sich kein belastbarer Nachweis ableiten, dass HIV-Sequenzen künstlich in SARS-CoV-2 eingebaut worden waren.
Auch die US Intelligence Community untersuchte genau diese Behauptung. Ihr Ergebnis: Die HIV-These liefert keinen überzeugenden Nachweis genetischer Manipulation. Wer heute schreibt, SARS-CoV-2 enthalte nachweislich künstlich eingebaute HIV-Bestandteile, behauptet daher mehr, als die Daten hergeben.
Das bedeutet jedoch nicht, dass damit jede Manipulationsmöglichkeit ausgeschlossen wäre. Der US-Geheimdienstbericht weist ausdrücklich darauf hin, dass bestimmte moderne Reverse-Genetics-Techniken Veränderungen erzeugen können, die keine eindeutigen Spuren gentechnischer Manipulation hinterlassen. Das ist wissenschaftlich eine wesentlich interessantere Frage als die spektakuläre HIV-Behauptung.
11. Was die Geheimdienste inzwischen sagen
Auch hier hat sich die öffentliche Darstellung erheblich verändert.
Das FBI bewertet einen laborassoziierten Zwischenfall in Wuhan seit Jahren als wahrscheinlichste Erklärung; NBC News bestätigt, dass China diese Einschätzung als „no credibility whatsoever" zurückgewiesen hat.⁷ Das Department of Energy gelangte ebenfalls zur Laborhypothese. Andere US-Geheimdienste favorisierten dagegen einen natürlichen Ursprung oder konnten sich nicht festlegen.
Der ODNI-Bericht von 2023 hielt deshalb ausdrücklich fest: Beide Szenarien bleiben plausibel.
Gleichzeitig kam die Intelligence Community damals mehrheitlich zu der Einschätzung, SARS-CoV-2 sei wahrscheinlich nicht gentechnisch konstruiert worden. Das widerspricht nicht zwingend einer Laborhypothese. Ein Laborunfall kann auch mit einem natürlich gefundenen Virus, einem durch Zellkultur oder Tierpassagen adaptierten Virus oder einem Forschungsvirus geschehen, ohne dass das Pandemievirus klassisch gentechnisch konstruiert worden sein muss.
Diese Unterscheidung wurde in der öffentlichen Diskussion jahrelang erstaunlich schlecht vermittelt:
Laborursprung ist nicht gleich Biowaffe. Laborursprung ist nicht automatisch Gentechnik. Gain of Function ist nicht automatisch SARS-CoV-2. Genau deshalb muss jede dieser Fragen separat untersucht werden.
Teil 5 – Die deutsche Spur
12. Und dann ist da Christian Drosten
Für Deutschland wird die Geschichte an dieser Stelle interessant.
Christian Drosten gehörte zu den Unterzeichnern des Lancet-Statements vom Februar 2020, das Spekulationen über einen nicht natürlichen Ursprung als Verschwörungstheorien verurteilte.
Noch interessanter: Drosten nahm auch an frühen internationalen Diskussionen über den Ursprung des Virus teil. Er gehörte damit zu jenem Kreis führender Virologen, der bereits Anfang Februar 2020 über die Frage diskutierte, ob Eigenschaften von SARS-CoV-2 möglicherweise mit Laborarbeiten zusammenhängen könnten.
Das allein ist selbstverständlich kein Fehlverhalten. Im Gegenteil: Genau darüber sollten Wissenschaftler diskutieren. Problematisch wird es erst durch die zeitliche Abfolge: Intern wurde diskutiert. Extern wurde sehr schnell Gewissheit vermittelt.
13. Was wusste Drosten über Daszak?
Drosten erklärte später, er habe über die konkreten finanziellen und forschungspraktischen Beziehungen zwischen EcoHealth und Wuhan damals keine detaillierte Kenntnis gehabt.
2021 sagte er im NDR-Podcast allerdings auf die Frage nach Daszaks Forschungsfinanzierung in Wuhan: „Ja." Er unterschied dabei zwischen allgemeiner Kenntnis der Kooperation und konkretem Wissen über einzelne Forschungsprojekte.
Später änderte sich seine Bewertung weiter. Nachdem Projektberichte über die Experimente bekannt geworden waren, erklärte Drosten öffentlich, in Wuhan seien tatsächlich Gain-of-Function-Experimente durchgeführt worden, bei denen Fledermausviren gentechnisch mit neuen Spikeproteinen ausgestattet wurden. Auf die Frage, ob solche konstruierten Viren gefährlicher gewesen sein könnten, antwortete er: „Das kann sein."
Das ist bemerkenswert. Denn genau diese Art von Forschung war zuvor ein zentraler Gegenstand jener Debatte gewesen, die öffentlich häufig als Verschwörungstheorie abgetan worden war.
14. Könnte es für Drosten „eng" werden?
Juristisch derzeit: nein. Es gibt nach Recherchestand bislang keine belastbare Information über ein Strafverfahren gegen Christian Drosten im Zusammenhang mit dem Ursprung von SARS-CoV-2. Alles andere wäre Spekulation.
Politisch und wissenschaftshistorisch sieht die Sache anders aus. Sollten die amerikanischen Untersuchungen weitere Kommunikation aus dem Kreis um Fauci, Farrar, Daszak und die frühen Ursprungskonferenzen offenlegen, könnte eine zentrale Frage auch für Drosten erneut relevant werden:
Was wusste er wann? Wann erfuhr er von den konkreten Experimenten in Wuhan? Was wusste er über Daszaks Interessenkonflikt? Welche Informationen wurden während der Ursprungskonferenzen Anfang Februar 2020 diskutiert? Warum unterschrieb er anschließend eine Erklärung, die einen nicht natürlichen Ursprung pauschal in die Nähe von „conspiracy theories" rückte? Und entsprach seine spätere öffentliche Darstellung vollständig dem Wissensstand, den er innerhalb dieser internationalen Expertengruppe hatte? Das sind legitime journalistische Fragen. Sie sind keine Anschuldigung einer Straftat.
15. Neue Dokumente verschärfen genau diese Frage
2026 veröffentlichte der US-Senat außerdem interne Slack-Nachrichten der Autoren des berühmten Nature-Medicine-Papers „The Proximal Origin of SARS-CoV-2". Dieses Paper wurde 2020 weltweit als eines der wichtigsten wissenschaftlichen Argumente gegen einen konstruierten Laborursprung wahrgenommen.
Die neuen Unterlagen zeigen jedoch, dass mehrere beteiligte Wissenschaftler intern deutlich größere Zweifel an einem natürlichen Ursprung diskutierten, als die spätere öffentliche Wahrnehmung des Papers vermuten ließ.
Das beweist wiederum keine Manipulation des Virus. Es zeigt aber etwas anderes: Die wissenschaftliche Unsicherheit Anfang 2020 war intern erheblich größer als die Gewissheit, die anschließend öffentlich entstand.
Und genau deshalb ist die Rolle jener Personen interessant, die an diesen frühen Diskussionen beteiligt waren. Dazu gehörten Fauci, Farrar, Andersen – und auch Drosten.
Teil 6 – Einordnung
16. Das eigentliche Muster
Wenn man alle inzwischen bekannten Dokumente nebeneinanderlegt, entsteht keine bewiesene Weltverschwörung. Es entsteht etwas wesentlich Konkreteres – und journalistisch Interessanteres.
Eine kleine internationale Gruppe von Wissenschaftlern und Institutionen war gleichzeitig beteiligt an: Coronavirus-Forschung. Forschungsförderung. Beratung von Regierungen. Wissenschaftlichen Publikationen zum Ursprung. Öffentlicher Kommunikation über den Ursprung. Und teilweise sogar an der späteren Untersuchung des Ursprungs.
Das erzeugte Interessenkonflikte. Und inzwischen wissen wir durch das Morens-Schuldeingeständnis sogar, dass zumindest innerhalb eines Teils dieses institutionellen Umfelds Kommunikation bewusst aus offiziellen Regierungssystemen herausgehalten wurde. Das rechtfertigt nicht die Behauptung, damit sei die Erschaffung von SARS-CoV-2 bewiesen. Es rechtfertigt aber sehr wohl die Frage: Warum wurde eine Hypothese so früh gesellschaftlich diskreditiert, deren Untersuchung Jahre später FBI, CIA, US-Kongress und amerikanische Strafverfolger beschäftigt?
17. Die Fledermaus, die nicht verschwinden will
Die Ironie dieser Geschichte ist kaum zu übersehen.
Die Pandemie begann mit der Erzählung von einem Virus aus der Tierwelt. Dann rückte ein Wildtiermarkt in Wuhan in den Mittelpunkt. Gleichzeitig existierte in derselben Stadt eines der weltweit führenden Institute zur Erforschung von
Fledermaus-Coronaviren.
Dieses Institut arbeitete mit einem amerikanischen Wissenschaftler zusammen. Dieser Wissenschaftler erhielt US-Steuergelder. Seine Organisation finanzierte Forschung in Wuhan. Er beteiligte sich an einem Forschungsantrag für Experimente mit SARS-verwandten Fledermausviren und Furin-Spaltstellen. Er half anschließend bei der Organisation einer öffentlichen Erklärung gegen die Laborhypothese. Und schließlich saß er selbst in der WHO-Mission, die diese Hypothese untersuchen sollte.
Fünf Jahre später sperrte ihn die amerikanische Regierung von Bundesfördermitteln. Sechs Jahre später bekannte sich ein hochrangiger Mitarbeiter aus Faucis institutionellem Umfeld schuldig, Kommunikation über genau diesen Forschungsförderungskomplex vor öffentlichen Aktenanfragen verborgen zu haben.
Das beweist noch immer nicht, dass SARS-CoV-2 aus dem Wuhan Institute of Virology kam. Aber es beweist etwas anderes:
Die Laborhypothese hätte niemals als bloße Verschwörungstheorie abgetan werden dürfen.
Und vielleicht liegt darin der größte Skandal dieser Geschichte. Nicht darin, dass Wissenschaftler sich 2020 geirrt haben könnten. Wissenschaft darf sich irren. Sondern darin, dass ausgerechnet Menschen mit eigenen Verbindungen zum Gegenstand der Untersuchung daran beteiligt waren, die Grenzen dessen festzulegen, was öffentlich überhaupt als seriöse Frage gelten durfte. Die entscheidenden Akten liegen deshalb möglicherweise nicht in Wuhan. Ein erheblicher Teil davon liegt inzwischen in Washington.
18. Quellen
Zur Absicherung und Ergänzung der Recherche wurden folgende aktuelle US-Quellen herangezogen:
- Rand Paul / Senate Homeland Security and Governmental Affairs Committee – Veröffentlichung der CBP/FBI-Dokumente zu Daszaks Einreise am 5. Februar 2021, berichtet von Fox News (21.07.2026): „Rand Paul releases docs that reveal FBI halted border inspection of virus researcher over Wuhan lab links"
- US Department of Justice, U.S. Attorney's Office, District of Maryland – offizielle Pressemitteilung zum Schuldbekenntnis von David Morens (19.08.2026): „Former Senior NIAID Official Pleads Guilty to Charges Connected to Concealing Federal Records During COVID-19 Pandemic" (justice.gov)
- Science / AAAS – Jon Cohen: „Former Fauci adviser pleads guilty to hiding COVID-19 communications" (19.08.2026), u. a. mit Details zum Wein-Geschenk, Faucis Kongressaussage 2024 und Kash Patels Stellungnahme
- Weitere DOJ-Sachverhaltsdarstellung zu „Co-Conspirator 1" und dem 2014 vergebenen Grant „Understanding the Risk of Bat Coronavirus Emergence"
- CBS News (19.08.2026): „David Morens, former NIAID adviser, pleads guilty in COVID-19 records scheme" – zur Einordnung von „Senior NIAID Official 1"
- FBI-Direktor Kash Patel, Stellungnahme auf X vom 18./19.08.2026, zitiert u. a. bei Nebraska.tv und Alex Jones Live
- NBC News (19.08.2026): „Former Fauci adviser David Morens pleads guilty to conspiring to conceal Covid-19 records" – zur FBI-Einschätzung von 2023 und Chinas Zurückweisung; sowie Rand Pauls Kommentar auf X
- Büro von Rep. Michael Cloud (US-Repräsentantenhaus), Pressemitteilung vom 23.05.2024: „RELEASE: Rep. Cloud Applauds the Debarment of Peter Daszak"; ergänzend die HHS-Debarment-Mitteilung vom Januar 2025 zu EcoHealth Alliance und Peter Daszak
Weitere in der Recherche verwendete oder zur Einordnung relevante US-Medien: NPR, CNN, Forbes, STAT News, Reuters (jeweils vom 18.–19.08.2026 zum Morens-Verfahren) sowie frühere Berichterstattung des House Oversight Committee / Select Subcommittee on the Coronavirus Pandemic zu den Anhörungen mit David Morens und Peter Daszak (2023–2024). Aktuelle US-Quellen: Kash Patels Rolle als FBI-Direktor, den von Rand Paul veröffentlichten CBP/FBI-Dokumenten und Detailinformationen zum Morens-Verfahren (Festnahme im April 2026, Verurteilungstermin, genaue Einordnung von „Senior NIAID Official 1" und „Co-Conspirator 1").
Hinweis zu den Beiträgen
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Die Beiträge beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen, offiziellen Dokumenten, Büchern, Presse- und Medienberichten sowie eigenen Recherchen und Einordnungen. Quellen und weiterführende Verweise werden – soweit für das jeweilige Thema relevant – innerhalb der Beiträge angegeben.
Autor: Holger H. Hohlfeld · © 2026 Berichtssache.de – Alle Rechte vorbehalten.
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