
Sprengsätze am Stromnetz: Mutmaßlicher Anschlag nahe Jänschwalde – was bisher bekannt ist

++++ UPDATE +++ : Anschlag auf Brandenburgs Strom-Infrastruktur: Explosion bestätigt – Kraftwerksblock fällt aus
Im Fall des mutmaßlichen Anschlags auf das Umspannwerk bei Jänschwalde hat die Polizei inzwischen eine Explosion bestätigt. Weitere unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen wurden vor Ort entdeckt und untersucht.
Der Kraftwerksbetreiber LEAG spricht ausdrücklich von einem Anschlag. Zeitweise fiel zudem Block B des Kraftwerks Jänschwalde aus. Die betroffenen Stromleitungen sind inzwischen wieder in Betrieb.
Nach BILD-Informationen soll es sich bei den verwendeten Vorrichtungen um selbstgebaute Pyro-Raketen gehandelt haben. Diese technische Einordnung ist bislang jedoch noch nicht offiziell von den Ermittlungsbehörden bestätigt.
Wer hinter der Tat steckt und welches Motiv verfolgt wurde, ist weiterhin offen. Das Landeskriminalamt Brandenburg ermittelt.
+++ UPDATE +++: LKA widerspricht Darstellung eines „Raketenangriffs“
Im Fall des mutmaßlichen Anschlags auf das Umspannwerk bei Jänschwalde gibt es eine wichtige neue Entwicklung:
Das Landeskriminalamt Brandenburg widerspricht inzwischen ausdrücklich der Darstellung eines bestätigten „Raketenangriffs“.
Eine Sprecherin erklärte gegenüber Reuters: „Wir reden hier nicht von Raketen.“ Die Polizei spricht weiterhin von einer unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtung, die an einer Leitung entdeckt worden sei. Diese konkrete Vorrichtung sei nach aktuellem Ermittlungsstand nicht explodiert.
Damit relativiert das LKA einen zentralen Punkt der ersten Medienberichte. Die Märkische Allgemeine Zeitung hatte unter Berufung auf Sicherheits- und Unternehmenskreise von mehreren selbstgebauten, mit Sprengstoff bestückten „Raketen“ sowie mehreren Treffern berichtet. Diese Darstellung ist bislang nicht offiziell bestätigt.
Der Netzbetreiber 50Hertz bestätigt dagegen, dass unbekannte Täter mehrere Leitungen des Übertragungsnetzes beschädigt haben. Eine Leitung sei kurzzeitig unterbrochen gewesen, inzwischen seien jedoch alle Leitungen wieder in Betrieb. Zu einem größeren Stromausfall kam es nicht.
Auch bei der Frage möglicher Explosionen ist der Kenntnisstand noch uneinheitlich: Frühe Agenturmeldungen berichteten, einzelne Vorrichtungen seien detoniert. Das LKA erklärt nun dagegen, die konkret untersuchte Spreng- und Brandvorrichtung sei nicht explodiert.
Täter, Motiv und möglicher politischer Hintergrund bleiben weiterhin völlig offen. Es gibt bislang weder eine bestätigte Verbindung zu Russland oder einem ausländischen Nachrichtendienst noch zum Leipziger Drohnenfall.
Der derzeit belastbare Stand lautet damit: Ein gezielter Angriff beziehungsweise Sabotageakt auf wichtige Strominfrastruktur wird untersucht – ein bestätigter „Raketenangriff“ ist es nach Angaben des LKA bislang nicht.
Sprengsätze am Stromnetz:
Mutmaßlicher Anschlag nahe Jänschwalde – was bisher bekannt ist
Mehrere Spreng- und Brandvorrichtungen wurden an einem wichtigen Umspannwerk in Brandenburg entdeckt, einzelne sollen bereits detoniert sein. Die MAZ berichtet sogar von selbstgebauten, mit Sprengstoff bestückten „Raketen“. 50Hertz bestätigt Beschädigungen und eine kurzzeitige Leitungsunterbrechung. Täter und Motiv sind bislang unbekannt.
Stand: 1. September 2026, kurz nach 13 Uhr
Brisanter Vorfall an der Energie-Infrastruktur in Brandenburg: Am Umspannwerk Turnow-Preilack nahe dem Kraftwerk Jänschwalde wurden mehrere Spreng- und Brandvorrichtungen entdeckt. Einige sollen bereits explodiert sein. Die MAZ berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise sogar von selbstgebauten, mit Sprengstoff bestückten „Raketen“. 50Hertz bestätigt Schäden und eine kurzzeitige Unterbrechung einer Leitung. Täter und Motiv sind bislang unbekannt.
Sprengsätze am Stromnetz: Was geschah bei Jänschwalde?
Ein ungewöhnlicher und möglicherweise schwerwiegender Angriff auf die deutsche Energie-Infrastruktur beschäftigt seit Dienstagmittag Polizei und Landeskriminalamt in Brandenburg.
Am Umspannwerk Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße, unweit des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde, wurden mehrere verdächtige Vorrichtungen entdeckt. Was zunächst als mögliche Sachbeschädigung an einer Stromleitung gemeldet wurde, entwickelte sich innerhalb weniger Stunden zu einem Einsatz von Sprengstoffexperten.
Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei den gefundenen Gegenständen um unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen – sogenannte USBV. Entschärfer wurden zum Einsatzort geschickt. Nach Angaben, die über die Deutsche Presse-Agentur verbreitet wurden, sollen einzelne Vorrichtungen bereits explodiert sein.
Die Ermittlungen hat das Landeskriminalamt Brandenburg übernommen. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht nach bisherigen Angaben nicht. Noch ist allerdings offen, wer hinter dem Angriff steckt und welches konkrete Ziel verfolgt wurde.
50Hertz bestätigt Schäden an seinem Übertragungsnetz
Besonders relevant ist inzwischen eine Stellungnahme des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz.
Nach dessen Angaben haben bislang unbekannte Täter am Dienstagmorgen mutmaßlich mehrere Leitungen im Übertragungsnetz beschädigt. Dabei kam es zu einer kurzzeitigen Leitungsunterbrechung.
Ein größerer Stromausfall blieb aus.
50Hertz arbeitet nach eigener Aussage mit den Sicherheitsbehörden zusammen und rief die Bevölkerung im Netzgebiet dazu auf, verdächtige Beobachtungen der Polizei zu melden.
Damit ist zumindest ein wesentlicher Teil der zunächst nur aus Medienkreisen bekannten Meldung bestätigt:
Es gab einen gezielten Eingriff in wichtige Strominfrastruktur – und dieser Eingriff hatte bereits technische Auswirkungen auf das Netz. Ob das eigentliche Ziel tatsächlich ein großflächiger Stromausfall war, ist dagegen bislang nicht offiziell festgestellt.
Die MAZ berichtet von mit Sprengstoff bestückten „Raketen“
Für besonderes Aufsehen sorgt die ursprüngliche Recherche der Märkischen Allgemeinen Zeitung.
Die MAZ berichtet unter Berufung auf Sicherheits- und Unternehmenskreise, dass das Umspannwerk mehrfach beschossen worden sein soll.
Einsatzkräfte hätten demnach weitere Vorrichtungen entdeckt und unschädlich gemacht. Dabei soll es sich um Konstruktionen gehandelt haben, mit denen mit Sprengstoff bestückte Projektile beziehungsweise „Raketen“ auf die Anlage geschossen werden konnten. Der Zeitung soll nach eigenen Angaben sogar ein Foto einer solchen Vorrichtung vorliegen. Die Konstruktion wird dabei als mutmaßlich selbstgebaut beschrieben.
Damit wäre die Tat deutlich ungewöhnlicher als die in Deutschland bereits mehrfach registrierten Brandanschläge auf Kabelschächte, Strommasten oder technische Anlagen. Doch genau an dieser Stelle ist journalistische Vorsicht notwendig.
Polizei: Ein bestätigter „Raketenangriff“ ist das bislang nicht
Mehrere Medien übernahmen innerhalb kürzester Zeit Formulierungen wie:
„Raketenangriff auf Jänschwalde“ oder sogar: „Kraftwerk mit Raketen beschossen“.
Das geht nach dem derzeit offiziell bestätigten Kenntnisstand zu weit.
Die Polizei bestätigte gegenüber RTL zwar die gefundenen Sprengvorrichtungen, erklärte jedoch ausdrücklich, von einem Raketenangriff könne derzeit keine Rede sein. Damit existieren momentan zwei Ebenen der Berichterstattung:
Die Polizei bestätigt Spreng- und Brandvorrichtungen sowie mögliche Beschädigungen.
Die MAZ berichtet darüber hinaus aus Sicherheits- und Unternehmenskreisen von selbstgebauten raketenartigen Vorrichtungen und einem mehrfachen Beschuss. Das muss kein Widerspruch bleiben. Es kann schlicht bedeuten, dass die Ermittler die verwendete Technik zunächst kriminaltechnisch untersuchen müssen, bevor sie öffentlich eine konkrete Bezeichnung verwenden. Bis dahin sollte jedoch zwischen bestätigten Sprengvorrichtungen und dem bislang medial berichteten Raketenbeschuss unterschieden werden.
Nicht das Kraftwerk selbst
Eine weitere Ungenauigkeit verbreitet sich derzeit ebenfalls durch zahlreiche Schlagzeilen.
Der Angriff ereignete sich nach dem bisherigen Kenntnisstand nicht unmittelbar auf dem Gelände des Kraftwerks Jänschwalde, sondern am Umspannwerk Turnow-Preilack. T-online beziffert die Entfernung zum eigentlichen Kraftwerk auf rund zehn Kilometer. Das ist mehr als eine geografische Spitzfindigkeit. Das Umspannwerk gehört zum Übertragungsnetz von 50Hertz und ist Teil der Infrastruktur, über die große Strommengen verteilt und in das Höchstspannungsnetz eingespeist werden.
Das Kraftwerk Jänschwalde selbst gehört zum Energieunternehmen LEAG. Nach aktuellen Unternehmensangaben verfügt der Standort noch über rund 1.500 Megawatt installierte Leistung und erzeugte 2025 rund 8,2 Milliarden Kilowattstunden Strom.
Der Vorfall betrifft damit keine kleine örtliche Trafostation, sondern Infrastruktur auf Ebene des deutschen Übertragungsnetzes.
Warum der Vorfall sicherheitspolitisch relevant ist
Angriffe auf Umspannwerke, Hochspannungsleitungen und Kommunikationsknoten können mit vergleichsweise einfachen Mitteln erhebliche Auswirkungen verursachen.
Das Stromnetz ist zwar redundant aufgebaut. Der Ausfall einer einzelnen Leitung muss daher nicht automatisch einen Blackout verursachen. Gerade deshalb ist die Meldung von 50Hertz interessant: Trotz der Beschädigung konnte das Netz den Vorfall offenbar abfangen. Es kam lediglich zu einer kurzzeitigen Unterbrechung einer Leitung und nicht zu einem größeren Stromausfall. Sollte sich jedoch bestätigen, dass mehrere Sprengvorrichtungen gezielt auf verschiedene technische Komponenten oder Leitungen gerichtet waren, würde dies die Frage aufwerfen, ob die Täter Kenntnisse über den Aufbau der Anlage und mögliche Schwachstellen besaßen. Dazu liegen bislang allerdings keine belastbaren öffentlichen Erkenntnisse vor.
Täter und Motiv völlig offen
Gerade angesichts anderer aktueller Sicherheitsvorfälle liegt es nahe, sofort über mögliche Hintergründe zu spekulieren.
Dafür gibt es derzeit keine ausreichende Grundlage.
Bislang ist öffentlich weder bekannt, dass es ein Bekennerschreiben gibt, noch haben die Ermittler eine bestimmte Tätergruppe genannt.
Es gibt derzeit auch keinen belastbaren Beleg für eine Verbindung zu Russland, einem ausländischen Nachrichtendienst, einer extremistischen Gruppierung oder dem zuletzt diskutierten Drohnenfall von Leipzig.
Eine solche Verbindung mag Gegenstand der Ermittlungen werden. Sie ist aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt Spekulation.
Das gilt ebenso für mögliche politische Motive aus dem links-, rechts- oder klimaextremistischen Spektrum.
Solange LKA, Staatsanwaltschaft oder andere Sicherheitsbehörden keine entsprechenden Erkenntnisse veröffentlichen, wäre jede Täterzuordnung voreilig.
Von der „Sachbeschädigung“ zum möglichen Anschlag
Bemerkenswert ist auch, wie schnell sich das Lagebild am Dienstag verändert hat.
Zunächst sprach die Polizei lediglich von einer möglichen Sachbeschädigung an einer Leitung.
Kurz darauf wurde bekannt, dass Spezialisten für unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen vor Ort waren.
Danach bestätigten Medien unter Berufung auf die Polizei mehrere Sprengvorrichtungen.
Schließlich wurde bekannt, dass offenbar einzelne Vorrichtungen bereits detoniert waren und 50Hertz eine kurzzeitige Leitungsunterbrechung registriert hatte. Parallel veröffentlichte die MAZ ihre wesentlich weitergehenden Informationen über den mutmaßlichen Beschuss. Der Fall entwickelt sich damit innerhalb weniger Stunden von einer möglichen Sachbeschädigung zu einem möglichen gezielten Anschlag auf kritische Infrastruktur.
Kritische Infrastruktur zunehmend im Fokus
Der Vorfall trifft Deutschland in einer Phase zunehmender Sensibilität für Sabotageakte gegen Energie-, Kommunikations- und Verkehrsinfrastruktur. Stromleitungen, Bahnstrecken, Kommunikationskabel, Pipelines und Energieanlagen gelten als besonders sensible Ziele. Dabei muss ein erfolgreicher Angriff nicht zwangsläufig die gesamte Anlage zerstören.
Oft genügt die Beschädigung einzelner zentraler Komponenten, um Reparaturen, Umleitungen, Sicherheitsabschaltungen oder Netzprobleme auszulösen. Genau deshalb wird entscheidend sein, was die kriminaltechnische Untersuchung in Brandenburg ergibt: Wo wurden die Vorrichtungen angebracht oder abgefeuert? Welche Komponenten wurden getroffen? Welche Sprengstoffe wurden verwendet? Und waren die Täter mit dem Aufbau des Stromnetzes vertraut?
Diese Fragen dürften für das LKA inzwischen mindestens ebenso wichtig sein wie die reine Suche nach den Tätern.
Was bisher als gesichert gelten kann
Am Umspannwerk Turnow-Preilack wurden mehrere unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen entdeckt.
Zumindest einige Vorrichtungen sollen bereits detoniert sein.
Es entstanden Beschädigungen beziehungsweise Auffälligkeiten an Leitungen des 50Hertz-Übertragungsnetzes.
50Hertz registrierte eine kurzzeitige Leitungsunterbrechung.
Ein großflächiger Stromausfall trat nicht ein. Sprengstoffexperten waren vor Ort. Das Landeskriminalamt Brandenburg ermittelt. Nach Angaben der Behörden besteht keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung.
Was bislang nicht bestätigt ist
Nicht abschließend bestätigt ist dagegen, ob die gefundenen Vorrichtungen technisch tatsächlich als Raketen einzustufen sind.
Auch der von der MAZ berichtete mehrfache Beschuss ist bislang keine offiziell veröffentlichte Feststellung der Polizei.
Ebenso unklar sind Täterzahl, Tatzeitpunkt, verwendeter Sprengstoff, genaue Bauart der Vorrichtungen und das konkrete Anschlagsziel. Vor allem aber gibt es bislang keine öffentlich bekannte Täterzuordnung und kein bestätigtes politisches Motiv.
Ein Angriff, dessen Dimension noch nicht feststeht
Schon jetzt lässt sich festhalten:
Der Vorfall von Turnow-Preilack ist mehr als eine gewöhnliche Sachbeschädigung.
Spreng- beziehungsweise Brandvorrichtungen wurden an einer Anlage des deutschen Höchstspannungsnetzes entdeckt, mindestens ein Teil davon scheint funktioniert zu haben und eine Leitung wurde kurzzeitig unterbrochen.
Wie gefährlich der Angriff tatsächlich war, wird sich jedoch erst nach Abschluss der kriminaltechnischen Untersuchung beurteilen lassen.
Die entscheidende Frage lautet nun deshalb nicht nur, wer hinter dem Vorgang steckt.
Entscheidend wird auch sein, wie professionell der Angriff vorbereitet war und welches Schadenspotenzial die gefundenen Vorrichtungen tatsächlich besaßen. Dass aus einem bislang weitgehend unbekannten Vorfall innerhalb weniger Stunden Schlagzeilen über einen „Raketenangriff auf Deutschlands Energieversorgung“ geworden sind, zeigt zugleich ein zweites Problem: Bei einer derart sensiblen Nachrichtenlage ist die Trennung zwischen bestätigtem Tatbestand, Informationen aus Sicherheitskreisen und medialer Zuspitzung besonders wichtig.
Bislang lautet der belastbare Kern:
Es hat einen offenbar gezielten Angriff auf wichtige Strominfrastruktur gegeben. Sprengvorrichtungen wurden gefunden, einzelne detonierten und eine Leitung wurde kurzzeitig unterbrochen. Wer dahintersteht und ob tatsächlich selbstgebaute „Raketen“ eingesetzt wurden, müssen die Ermittler erst noch klären.
BERICHTSSACHE wird den Fall aktualisieren, sobald LKA, Polizei, 50Hertz oder andere Behörden neue belastbare Erkenntnisse zu Tatmitteln, Tätern oder Motiv veröffentlichen.
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