
Sprengsätze am Stromnetz: Anschlagsserie in Deutschland
KI generiertes Bild - Symbolbild
Der Mann, der Deutschland den Stecker ziehen wollte
Mehr als 160 Ziele, über 40 Abschussvorrichtungen, 21 Sprengsätze allein in Sachsen: Was über Daniel V. bekannt ist
Berichtssache.de – Meldungen & Hintergründe | 15. September 2026
Am 1. September 2026 knallt es unter zwei Hochspannungstrassen. In Brandenburg und im Rheinland schießen selbstgebaute Vorrichtungen Drähte auf stromführende Leitungen. Kurzschluss. Notabschaltung. Kraftwerksblöcke gehen vom Netz.
Eine Woche später liegt ein 48-jähriger Mann bäuchlings in einem Gebüsch bei Weisweiler, Polizisten mit gezogenen Waffen über ihm. In seinem Wohnmobil: ein Notizbuch mit mehr als 160 bisherigen und möglichen weiteren Zielen.
Die Anschlagsserie ist gestoppt. Der Stromausfall blieb aus. Dieser Artikel beschreibt beides: was geschehen ist. Und was geschehen wäre, wenn es funktioniert hätte.
Teil 1: Was geschehen ist
Der Tatverdächtige
Daniel V., 48 Jahre, deutscher Staatsangehöriger, gemeldet in Gevelsberg (Nordrhein-Westfalen, südlicher Rand des Ruhrgebiets).
Nach Angaben seiner über 80-jährigen Mutter gegenüber der taz hat Daniel V. ein abgeschlossenes Medizinstudium, arbeitete anschließend als Gitarrenbauer und war zuletzt arbeitslos. Die Mutter beschrieb ihn als sehr talentiert, technisch interessiert und mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden in Umweltfragen. Auf dem Bekennerschreiben erkannte sie nach eigener Aussage die Handschrift ihres Sohnes.
Für Daniel V. gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
Die Bekennerschreiben
Das erste Schreiben ging bei der taz ein, Poststempel Nordrhein-Westfalen. Weitere gingen an Polizei und andere Redaktionen, darunter die Deutsche Presse-Agentur. Die Behörden stuften die Schreiben als authentisch ein.
Die Besonderheiten:
- Handschriftlich verfasst
- Mit vollem Namen und Meldeadresse des Verfassers
- Detaillierte Beschreibung der verwendeten Vorrichtungen
- Selbstbeschreibung als Einzeltäter, der niemandem von den Taten erzählt habe
- Ausdrückliche Aussage, die „linke Szene“ habe damit nichts zu tun
Das Motiv laut Schreiben, im Wortlaut:
„Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen, das unsägliches Leid nach sich zieht.“
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von „eindeutigem Täterwissen“ in den Schreiben und von mutmaßlichem „Klimaterrorismus“ eines Einzeltäters.
Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) bezeichnete Tathergang und Schreiben als ungewöhnlich. Die Tatmotivation komme darin sehr kurz weg, das Schreiben wirke, als habe der Täter gefasst werden wollen. Sachsens Energieminister
Dirk Panter (SPD) nannte den Tatverdächtigen einen „inländischen Terroristen“.
Die Methode
Nach den bisherigen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft platzierte Daniel V. zu unterschiedlichen Zeitpunkten Silvesterraketen oder ähnliche Gegenstände unter Hochspannungsleitungen, verbunden mit Zündern, Zeitschaltern und Drähten. Zu festgelegten Zeiten sollten Drähte auf die Leitungen geschossen werden und dort Kurzschlüsse auslösen.
Die Konstruktion: billig, unauffällig, zeitversetzt auslösbar. Der Täter muss zum Zeitpunkt der Auslösung nicht vor Ort sein.
Die Tatorte
1. September 2026 – Brandenburg Umspannwerk Turnow-Preilack nahe dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde. Kurzschlüsse. Notabschaltung der betroffenen Leitungen. Kraftwerksblöcke in Jänschwalde werden heruntergefahren.
1. September 2026 – Nordrhein-Westfalen Umspannwerk Bergheim-Rheidt westlich von Köln. Kurzschluss. Notabschaltung.
An den Braunkohlestandorten Niederaußem und Neurath werden Kraftwerksblöcke heruntergefahren – nach dpa-Angaben für mehrere Tage. Die Stromversorgung eines angrenzenden Ortes war zeitweise beeinträchtigt.
3. September 2026 – Nordrhein-Westfalen Anschlagsversuch in Dormagen-Gohr (zwischen Köln und Düsseldorf). Spaziergänger entdecken nahe einem Umspannwerk verdächtige Konstruktionen. Die Polizei stellt Abschussvorrichtungen fest, die den Konstruktionen aus Bergheim ähneln, in der Nähe einer Hochspannungsleitung. Kein Kurzschluss, kein Schaden. Die Polizei geht von einem geplanten Sabotagedelikt aus; ein Sprecher: Jemand habe offenbar versucht, mutwillig einen Kurzschluss herbeizuführen.
Umfeld Weisweiler (bei Aachen) Weitere Vorrichtungen gefunden.
Freitag/Samstag nach den ersten Anschlägen – Ostsachsen Die Polizei entdeckt 21 pyrotechnische Sprengvorrichtungen an Hochspannungstrassen, unter anderem nördlich von Bautzen. Laut Innenminister Schuster waren sie so angelegt, dass sie einen Draht über die Leitungen ziehen konnten. Einige waren bereits gezündet. Schaden: nach Schusters Angaben kaum mehr als verbranntes Gras.
Nordrhein-Westfalen gesamt Nach Hinweisen des Festgenommenen fanden Ermittler allein in NRW mehr als 40 Abschussvorrichtungen für Raketen. Daniel V. nannte zudem sieben Standorte, an denen er Lager eingerichtet haben soll.
Die Fahndung
- Rund 1.700 Polizistinnen und Polizisten in NRW im Einsatz
- 380 Beamte in Sachsen
- Durchsuchung des Wohnhauses in Gevelsberg durch Spezialkräfte; dort wurden sprengstoffverdächtige Stoffe gefunden
- Durchkämmung des Hambacher Waldes am Tagebau Hambach – ohne Ergebnis
- Polizeieinsatz an einer Stromanlage nahe Hamm
Geprüft wurden zunächst auch eine fremdstaatlich gesteuerte Sabotage und ein linksextremistischer Hintergrund. Die Anschlagsserie begann in derselben Woche, in der die Bundesregierung Russland für die Drohnenangriffe auf den Flughafen Leipzig/Halle Anfang August verantwortlich machte. Schuster sah eine Verbindung dazu eher nicht.
Die Festnahme
8. September 2026, Dienstagmorgen. Zwei Autobahnpolizisten, die gar nicht an der Fahndung beteiligt waren, bemerken bei Weisweiler im rheinischen Braunkohlerevier plattgetretenes Gras. Die Spur führt von einem Feldweg rund 200 Meter in ein Gebüsch.
Dort: ein getarntes Zelt, aus der Luft für Polizeihubschrauber nicht sichtbar. Darin Daniel V.
Das veröffentlichte Bodycam-Video (ohne Ton) zeigt, wie sich der Mann auf den Bauch legt und offenbar widerstandslos festnehmen lässt. Bei ihm und im Zelt wurde weiteres Material gefunden.
Im Wohnmobil – einem alten Mercedes, abgestellt nahe dem Hambacher Wald – fand die Polizei das Notizbuch mit handschriftlichen Angaben zu mehr als 160 bisherigen und möglichen weiteren Sabotagezielen (NRW-Innenminister Herbert Reul nannte im Innenausschuss laut Euronews „mehr als 150“).
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Tag der Festnahme:
„Der war immer noch unterwegs und wollte weitermachen.“
Und vor dem Innenausschuss: Man habe womöglich immer weitere Anschläge verhindert.
Das Verfahren
- Haftbefehl des Amtsgerichts Cottbus; Untersuchungshaft zunächst in Aachen
- Die Staatsanwaltschaft Cottbus warf ihm unter anderem vor: Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, Störung öffentlicher Betriebe, Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel
- 10. September 2026: Der Generalbundesanwalt (Jens Rommel) übernimmt wegen der besonderen Bedeutung des Falls
- Vorwurf: versuchte und vollendete verfassungsfeindliche Sabotage (§ 88 Abs. 1 Nr. 3 StGB) sowie versuchte und vollendete Störung öffentlicher Betriebe (§ 316b Abs. 1 Nr. 2 StGB)
- Strafrahmen laut taz: bis zu fünf Jahre (§ 88) bzw. bis zu zehn Jahre (§ 316b)
- Vorführung vor dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs zur Anpassung des Haftbefehls angekündigt, Termin zunächst offen
- Polizeiliche Ermittlungen federführend beim Bundeskriminalamt
Die Bundesanwaltschaft schreibt, die Taten hätten mutmaßlich auf großflächige Stromausfälle gezielt und seien geeignet gewesen, das Vertrauen der Bevölkerung in den Schutz der kritischen Infrastruktur zu schwächen.
Der Satz, um den es geht
Armin Schuster, Sachsens Innenminister, über die 21 Sprengvorrichtungen in Ostsachsen: Wären alle Versuche erfolgreich gewesen, hätte die Dimension Blackout-Potential haben können – regionale Blackout-Qualität. „Das wäre schon möglich gewesen.“
Teil 2: Was geschehen wäre
Das folgende Szenario ist fiktiv. Es beschreibt bewusst den schlimmsten denkbaren Verlauf. Die einzelnen Folgen – kein Wasser, keine Heizung, kein Netz, kein Bargeld, kein Sprit – entsprechen den Warnungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und den Befunden des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag zu einem langandauernden, großflächigen Stromausfall.
Die Ausgangslage
Januar. Minus zwölf Grad. Eine windstille Nacht, wenig Solarstrom, das Netz unter hoher Last.
Nicht 2 von 21 Vorrichtungen zünden, sondern alle. Nicht an einem Tag, sondern in einer Stunde. Nicht an einem Umspannwerk, sondern an mehreren Knoten gleichzeitig.
Leitungen schalten ab. Der Strom sucht sich andere Wege. Andere Leitungen laufen über, Schutzsysteme greifen, weitere Leitungen gehen vom Netz. Eine Kaskade.
Um 04:17 Uhr ist es in Ihrer Region dunkel.
Stunde 0 bis 1: Stille
Sie wachen auf, weil es still ist. Kein Kühlschrank brummt. Die Heizungspumpe läuft nicht. Der Wecker zeigt nichts an.
Sie greifen zum Smartphone. 64 Prozent Akku. Das WLAN ist weg. Mobilfunk funktioniert noch – der Mast hat Notstrom.
Sie drehen am Lichtschalter. Nichts. Sie denken: Sicherung. Sie gehen in den Keller. Die Sicherungen sind in Ordnung.
Beim Nachbarn ist es auch dunkel. In der ganzen Straße. Im ganzen Ort. Sie legen sich wieder hin. Das wird schon.
Stunde 1 bis 6: Der Morgen, an dem nichts funktioniert
Die Ampeln sind aus. Auf den Kreuzungen stehen Autos quer. Straßenbahnen stehen auf offener Strecke. Züge stehen zwischen Bahnhöfen. Menschen stecken in Aufzügen – in Bürotürmen, in Pflegeheimen, in Parkhäusern. Die Feuerwehr hat mehr Einsätze, als sie Fahrzeuge hat.
Die Kaffeemaschine geht nicht. Der Herd geht nicht. Wer Gasheizung hat, merkt jetzt: Ohne Strom läuft auch die nicht.
Im Radio – wer eines mit Batterie besitzt – laufen erste Meldungen: großflächiger Stromausfall, Ursache unklar, Dauer unklar.
Die meisten Menschen haben kein solches Radio.
Ihr Arbeitgeber erreicht Sie nicht. Die Schule ruft nicht an. Die Kita hat geschlossen. Sie wissen es nur nicht.
Stunde 6 bis 12: Das Netz stirbt
Die Notstrombatterien der ersten Mobilfunkmasten sind leer. Die Balken auf Ihrem Display verschwinden. Nachrichten gehen nicht mehr raus. Anrufe brechen ab.
Der Notruf 112 ist in Teilen der Region nicht mehr erreichbar.
Wer jetzt einen Herzinfarkt hat, einen Schlaganfall, einen Unfall in der dunklen Wohnung, muss jemanden finden, der zur nächsten Feuerwache läuft.
Im Supermarkt an der Ecke stehen die Türen offen. Drinnen ist es dunkel. Kassen funktionieren nicht, Kartenzahlung funktioniert nicht. Der Filialleiter lässt nur noch gegen Bargeld raus, was er per Hand abrechnen kann. Die Schlange reicht bis auf den Parkplatz.
Sie haben 35 Euro im Portemonnaie.
Der Geldautomat ist schwarz.
Stunde 12 bis 24: Das Wasser wird knapp
Wasserwerke und Pumpstationen laufen, solange Notstrom da ist. Nicht überall ist welcher da. In höher gelegenen Stockwerken sinkt der Druck. Dann kommt nichts mehr.
Sie drehen den Hahn auf. Es gurgelt.
Die Toilette spült noch einmal. Danach nicht mehr.
In Ihrem Kühlschrank steigt die Temperatur. Die Tiefkühlkost taut. Das Fleisch, die Milch, das Babygläschen im Kühlfach: Morgen ist das meiste davon nicht mehr sicher.
Die Wohnung hat noch 16 Grad. Draußen minus zwölf.
Sie ziehen zwei Pullover an. Die Kinder schlafen in Winterjacken.
Tag 2: Kälte
Die Wohnung hat 11 Grad.
Menschen holen Grills in die Wohnung, Heizpilze, Campingkocher. Sie wissen nicht, oder sie verdrängen, dass Holzkohle in geschlossenen Räumen Kohlenmonoxid bildet. Geruchlos. Farblos. Man schläft ein und wacht nicht mehr auf.
In der Nacht zu Tag 3 werden die ersten Familien tot in ihren Wohnungen gefunden.
Tankstellen sind geschlossen. Der Sprit ist in den Tanks, aber die Zapfsäulen brauchen Strom. Wer noch Diesel hat, fährt Richtung Region mit Strom. Die Autobahnen stauen sich. Liegengebliebene Fahrzeuge blockieren Spuren.
Bargeld ist jetzt Währung. Wer keines hat, bekommt nichts.
Tag 2 bis 3: Die Krankenhäuser
Das Krankenhaus läuft auf Notstrom. Diesel für einige Tage. Dann muss nachgeliefert werden – über verstopfte Straßen, mit Tankwagen, die selbst tanken müssen, von Tanklagern, deren Pumpen Strom brauchen.
Die Notaufnahme ist überfüllt: Unterkühlte, Gestürzte, Kohlenmonoxid-Vergiftete, Menschen, deren Medikamente im warmen Kühlschrank verdorben sind.
Planbare Operationen werden abgesagt. Personal kommt nicht zur Arbeit, weil kein Bus fährt, kein Zug, kein Auto getankt werden kann. Wer da ist, arbeitet die zweite Schicht am Stück.
Dialysepatienten brauchen alle zwei, drei Tage ihre Behandlung. Die Praxen sind dunkel.
Menschen, die zu Hause beatmet werden, haben Akkus für einige Stunden. Die Stunden sind vorbei.
Tag 3: Die Pflegeheime
Ein Pflegeheim ohne Notstrom. Achtzig Bewohner, viele bettlägerig. Elektrische Pflegebetten, Absauggeräte, Sauerstoffkonzentratoren – alles aus. Die Heizung ist aus. Die Nachtschicht ist seit 50 Stunden im Dienst, die Ablösung ist nicht gekommen.
Es gibt kein warmes Essen. Das Telefon funktioniert nicht. Niemand weiß, dass hier Hilfe gebraucht wird.
Tag 3 bis 5: Das Gefüge reißt
Die Supermärkte sind leer. Nachschub kommt nicht: Die Zentrallager haben keinen Strom, die Lkw keinen Sprit, die Fahrer keine Nachricht, wohin sie sollen.
Kühlhäuser verlieren ihre Ware. Ställe mit Tausenden Tieren haben keine Lüftung, keine Melkmaschinen, keine Tränken.
Die Kanalisation staut sich. Pumpwerke stehen. In tiefer gelegenen Straßen drückt Abwasser nach oben.
Nachrichten kommen nur noch über batteriebetriebene Radios und über Lautsprecherwagen. Dazwischen: Gerüchte. Das Wasser sei vergiftet. Der Strom komme nie wieder. In der Nachbarstadt werde geplündert. Manches davon stimmt.
Nachbarn, die sich jahrelang gegrüßt haben, verriegeln die Türen.
Tag 5 bis 10: Die persönliche Katastrophe
Sie haben seit drei Tagen nichts Warmes gegessen. Das letzte Wasser haben Sie gestern aus der Regentonne des Nachbarn geholt und nicht abgekocht, weil Sie nichts zum Abkochen hatten.
Ihr Kind hat Durchfall. Fieber. Der Kinderarzt ist nicht erreichbar. Die Notaufnahme ist sieben Kilometer entfernt.
Sie haben kein Benzin. Ihre Mutter lebt allein, 30 Kilometer entfernt. Sie haben seit Tag 1 nichts von ihr gehört.
Das ist der Moment, in dem ein Stromausfall aufhört, eine technische Störung zu sein.
Er ist jetzt Ihre Katastrophe.
Und wenn der Strom zurückkommt
Das Netz wird Stück für Stück wieder aufgebaut. Region für Region. Nicht alles gleichzeitig.
Dann zeigt sich, was kaputt ist: geplatzte Wasserleitungen in ausgekühlten Häusern, verdorbene Vorräte, beschädigte Anlagen, stillgelegte Betriebe, Tote. Und irgendwo in einem Notizbuch stehen noch 150 weitere Ziele.
Teil 3: Der Ernstfall hat schon stattgefunden – Berlin, Januar 2026
Ein Teil dessen, was im Szenario beschrieben ist, haben rund 100.000 Menschen in Berlin acht Monate vor der Anschlagsserie von Daniel V. erlebt. Andere Täter, anderes Ziel, andere Methode. Mit dem Fall Daniel V. besteht nach bisherigem Stand kein Zusammenhang.
Die Tat
Samstag, 3. Januar 2026, 05:44 Uhr. Die Sicherheitszentrale der Stromnetz Berlin GmbH erhält die Meldung eines Defekts an Kabeln auf einer Kabelbrücke über den Teltowkanal am Heizkraftwerk Lichterfelde (Bezirk Steglitz-Zehlendorf). Einsatzkräfte finden einen Brand. Mehrere Starkstromkabel vom und zum Kraftwerk sind zerstört – nach Medienberichten fünf 110-kV-Hochspannungskabel und zehn 10-kV-Mittelspannungskabel.
Das Ausmaß
- Rund 45.000 Haushalte und über 2.200 Betriebe ohne Strom – insgesamt bis zu 100.000 Menschen
- Betroffen: Lichterfelde, Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee
- Schnee und Minusgrade – Heizungen fallen aus
- Lichterfelde ist am Samstagabend wieder am Netz, rund 35.000 Haushalte warten bis Donnerstag
- Vollständige Wiederversorgung erst am 7. Januar 2026 – rund 104 Stunden Blackout
- Der längste Stromausfall in Berlin seit Kriegsende 1945
Die Folgen für die Bevölkerung
Notruf und Kommunikation: Laut BKA waren die Notrufnummern teilweise nicht oder nur eingeschränkt erreichbar, Festnetz und Mobilfunk stark beeinträchtigt. O2 meldete 18 betroffene Sender, Vodafone 39 Standorte, die Telekom 29 Mobilfunkstationen.
Verkehr: Straßenbeleuchtung und Ampeln aus. S-Bahn und Regionalzüge fuhren zeitweise nicht, weil die Stellwerke keinen Strom hatten.
Schulen und Praxen: Schulen in Steglitz-Zehlendorf blieben geschlossen. 205 Arztpraxen lagen im Ausfallgebiet.
Versorgung: Supermärkte geschlossen, kein warmes Essen, keine Heizung. Der Bezirk forderte Betroffene auf, auf Familie, Freunde und Bekannte auszuweichen.
Menschen an Sauerstoffgeräten: Zwischen dem 3. und 7. Januar rückte die Berliner Feuerwehr im Bezirk 40-mal aus, weil Patienten auf Sauerstoffgeräte angewiesen waren. Der Tagesspiegel rekonstruierte den Fall eines Rechtsanwalts in Wannsee, der nach Darstellung des Podcasts „104 Stunden Blackout“ zwei Minuten vom Erstickungstod entfernt war.
Todesfall: Am Dienstagabend (6. Januar) wurde in Zehlendorf eine pflegebedürftige 83-jährige Frau von einem Angehörigen leblos aufgefunden. Reanimationsversuche scheiterten. Die Todesursache konnte laut Polizei-Vizepräsident Marco Langner zunächst nicht zweifelsfrei festgestellt werden. Ein in sozialen Medien verbreiteter zweiter Todesfall (Sturz auf glatter Straße) stand laut Polizei nicht im Zusammenhang: Die Frau war bereits am 27. Dezember gestürzt.
Die Folgen für die Infrastruktur
Krankenhäuser: Mehrere Kliniken liefen auf Notstrom. Einen Tag nach dem Anschlag waren das Helios Klinikum Emil von Behring, das Evangelische Krankenhaus Hubertus, das Krankenhaus Waldfriede und das Immanuel Krankenhaus Wannsee wieder am Netz. Laut Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) stand eine Evakuierung im Raum; Charité und Vivantes hatten eine mögliche Verlegung von Patienten vorbereitet.
Pflegeeinrichtungen: Die Notstromversorgung konnte laut Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) erst mit Verzögerung über mobile Aggregate sichergestellt werden.
Notstrom und Treibstoff: Das THW war mit mindestens 971 ehrenamtlichen Helfern im Einsatz – Notstrom für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, eine Tierklinik und Einspeisepunkte der S-Bahn. Nordrhein-Westfalen stellte fünf Notstromaggregate.
Die Bundeswehr (Logistikbataillon 172, Beelitz) betankte ab 5. Januar Fahrzeuge von THW und Feuerwehr und verteilte Essen
– rund 950 von 4.000 vorbereiteten Mahlzeiten.
Notunterkünfte: Turnhallen, Gemeindehäuser, das Foyer des Rathauses Zehlendorf – mit Feldbetten für mehrere hundert Personen, Wärmestuben und Lademöglichkeiten. Nicht vermietete Hotelzimmer wurden zunächst für 70 Euro angeboten;
später übernahm der Bezirk über die Senatsverwaltung die Kosten.
Katastrophenschutz: In der Nacht zum 5. Januar rief die Innenverwaltung erstmals die „Großschadenslage“ nach dem
Berliner Katastrophenschutzgesetz aus – die Kategorie existiert seit 2021. Damit konnte Amtshilfe der Bundeswehr angefordert werden. Die BAKS spricht von einer unzureichend gesicherten Stromversorgungsleitung
Die Täter
- 4. Januar 2026: Bekennerschreiben einer „Vulkangruppe“, Polizei und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) stufen es als authentisch ein – es enthält Detailwissen vom Tatort
- Laut Schreiben galt der Anschlag dem Gaskraftwerk Lichterfelde; Haushalte hätten geschont werden sollen
- Es folgten mehrere weitere Schreiben: eine „Richtigstellung“ gegen Spekulationen über russische Sabotage, dann eine Distanzierung einer angeblichen Ursprungs-„Vulkangruppe“ von 2011, schließlich ein Schreiben, das die Betroffenheit privater Haushalte bedauert
- Frühere Taten, hinter denen „Vulkangruppen“ vermutet werden: Tesla-Werk (Frühjahr 2024), Stromversorgung des Technologieparks Adlershof (Herbst 2025)
- 6. Januar 2026: Der
Generalbundesanwalt übernimmt. Verfahren
gegen Unbekannt wegen Verdachts der Mitgliedschaft
in einer terroristischen Vereinigung, verfassungsfeindlicher Sabotage, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe - Das BKA setzte eine Belohnung von bis zu einer Million Euro aus. Der Zeugenaufruf lief bis 24. Februar 2026 – ohne entscheidende Hinweise
- Die Täter sind bis heute nicht ermittelt
Kai Wegner (CDU) und Iris Spranger sprachen von „Linksterrorismus“.
Die politischen Folgen
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner erklärte am Tag nach dem Anschlag, er sei den ganzen Tag am Telefon gewesen und habe sich zu Hause in seinem Büro eingeschlossen. Der rbb deckte auf: Wegner hatte am Samstag, dem ersten Tag des Blackouts, Tennis gespielt – mit seiner Lebensgefährtin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Wegner bestätigte das gegenüber WeltTV.
- AfD (Kristin Brinker): Rücktrittsforderung
- BSW (Alexander King): Rücktrittsforderung
- Die Linke (Maximilian Schirmer): „Während die einen frieren, spielen die anderen Tennis.“
- Innensenatorin Spranger wurde kritisiert, weil sie die Großschadenslage erst einen Tag nach Bekanntwerden des vollen Schadensausmaßes ausrief
Juli 2026: Kai Wegner verzichtet auf eine erneute Kandidatur als Regierender Bürgermeister.
Teil 4: Was nicht fiktiv ist
Berlin, Januar 2026: Eine einzige Kabelbrücke. 104 Stunden. Bis zu 100.000 Menschen. Notruf gestört, Kliniken vor der Evakuierung, Bundeswehr im Einsatz.
Die Anschlagsserie im September 2026 traf keine Kabelbrücke, sondern das Übertragungsnetz – in drei Bundesländern, mit zeitversetzt auslösbaren Vorrichtungen und einer Liste von über 160 Zielen.
Die Bundesanwaltschaft schreibt selbst, die Taten hätten mutmaßlich auf großflächige Stromausfälle gezielt.
Der sächsische Innenminister sagt: regionale Blackout-Qualität wäre möglich gewesen.
Was das BBK empfiehlt
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt Vorräte für zehn Tage. Schon drei Tage sind eine sinnvolle Grundlage.
Wasser: 2 Liter Trinkwasser pro Person und Tag. Familie mit vier Personen: 24 Liter für drei Tage, 80 Liter für zehn Tage. Zusätzlich Wasser für Hygiene und Kochen.
Lebensmittel: haltbar, möglichst ohne Kochen essbar.
Licht: Taschenlampen, Ersatzbatterien. Kerzen nur mit Vorsicht.
Information: batteriebetriebenes oder Kurbelradio. Warn-App NINA für die Zeit, in der das Netz noch funktioniert.
Energie: geladene Powerbanks, Ersatzakkus.
Bargeld: ein Bestand in kleinen Scheinen.
Wärme: Decken, Schlafsäcke, warme Kleidung.
Kochen: eine sichere Alternative für den Außenbereich oder dafür zugelassene Geräte. Niemals Grill, Holzkohle oder Heizpilz in geschlossenen Räumen – Erstickungsgefahr.
Medikamente: persönlicher Bedarf für mehrere Tage, Hausapotheke.
Absprache: Treffpunkt mit der Familie, falls Telefone ausfallen. Wer kümmert sich um ältere Angehörige?
- Die Frage an jeden Haushalt: Was machen Sie, wenn morgen um 04:17 Uhr der Strom ausfällt – und zehn Tage nicht wiederkommt?
🚨 EILMELDUNG: Mutmaßlicher Strom-Saboteur Daniel V. offenbar gefasst
Nach übereinstimmenden Eilmeldungen von FOCUS und ntv soll der seit Tagen gesuchte mutmaßliche Stromnetz-Saboteur Daniel V. gefasst worden sein.
Der 48-Jährige steht im Verdacht, hinter einer Serie von Sabotageakten und Anschlagsversuchen auf Umspannwerke und Hochspannungsleitungen in mehreren Bundesländern zu stehen. Die Ermittler hatten zuletzt mit Hochdruck nach ihm gesucht. Sein Fahrzeug war am Hambacher Forst entdeckt worden; bei Durchsuchungen waren unter anderem verdächtige Materialien gefunden worden. Besonders brisant sind die zahlreichen Tatorte in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Der Verdächtige soll sich in einem Bekennerschreiben zu mehreren Angriffen bekannt haben. Als Motiv wird ein radikaler Protest gegen die Nutzung fossiler Energieträger vermutet.
Sollte sich die Festnahme bestätigen, wäre dies der entscheidende Durchbruch bei der Aufklärung der bislang größten bekannten Sabotageserie gegen die deutsche Strominfrastruktur in diesem Jahr.
+++ UPDATE +++ Täterkreis weiter offen – ausländische Einflussnahme nicht ausgeschlossen
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann schließt inzwischen weder ausländische Einflussnahme noch einen linksextremistischen Hintergrund aus – eine konkrete Täterzuordnung gibt es aber weiterhin nicht. Die eingesetzten Flugkörper waren offenbar gezielt für den Angriff auf Höchstspannungsleitungen konstruiert und lösten zwei Kurzschlüsse aus. Block B des Kraftwerks Jänschwalde wurde automatisch heruntergefahren, blieb laut LEAG jedoch unbeschädigt. Ein größerer Stromausfall konnte durch das redundante Netz verhindert werden.
++++ UPDATE +++ Kraftwerksblock betroffen
Der mutmaßliche Anschlag bei Jänschwalde hatte offenbar größere technische Folgen als zunächst bekannt:
Block B des Kraftwerks fiel aus, während 50Hertz eine kurzzeitige Unterbrechung im Übertragungsnetz bestätigte.
Die Polizei meldete zudem mindestens eine Detonation, wobei noch unklar ist, ob es sich um eine Tätervorrichtung oder eine kontrollierte Sprengung handelte. Täter, Motiv und mögliche Verbindungen zu anderen Sabotagefällen bleiben weiterhin offen.
++++ UPDATE +++ Anschlag auf Brandenburgs Strom-Infrastruktur: Explosion bestätigt – Kraftwerksblock fällt aus
Im Fall des mutmaßlichen Anschlags auf das Umspannwerk bei Jänschwalde hat die Polizei inzwischen eine Explosion bestätigt. Weitere unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen wurden vor Ort entdeckt und untersucht.
Der Kraftwerksbetreiber LEAG spricht ausdrücklich von einem Anschlag. Zeitweise fiel zudem Block B des Kraftwerks Jänschwalde aus. Die betroffenen Stromleitungen sind inzwischen wieder in Betrieb.
Nach BILD-Informationen soll es sich bei den verwendeten Vorrichtungen um selbstgebaute Pyro-Raketen gehandelt haben. Diese technische Einordnung ist bislang jedoch noch nicht offiziell von den Ermittlungsbehörden bestätigt.
Wer hinter der Tat steckt und welches Motiv verfolgt wurde, ist weiterhin offen. Das Landeskriminalamt Brandenburg ermittelt.
+++ UPDATE +++ LKA widerspricht Darstellung eines „Raketenangriffs“
Im Fall des mutmaßlichen Anschlags auf das Umspannwerk bei Jänschwalde gibt es eine wichtige neue Entwicklung:
Das Landeskriminalamt Brandenburg widerspricht inzwischen ausdrücklich der Darstellung eines bestätigten „Raketenangriffs“.
Eine Sprecherin erklärte gegenüber Reuters: „Wir reden hier nicht von Raketen.“ Die Polizei spricht weiterhin von einer unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtung, die an einer Leitung entdeckt worden sei. Diese konkrete Vorrichtung sei nach aktuellem Ermittlungsstand nicht explodiert.
Damit relativiert das LKA einen zentralen Punkt der ersten Medienberichte. Die Märkische Allgemeine Zeitung hatte unter Berufung auf Sicherheits- und Unternehmenskreise von mehreren selbstgebauten, mit Sprengstoff bestückten „Raketen“ sowie mehreren Treffern berichtet. Diese Darstellung ist bislang nicht offiziell bestätigt.
Der Netzbetreiber 50Hertz bestätigt dagegen, dass unbekannte Täter mehrere Leitungen des Übertragungsnetzes beschädigt haben. Eine Leitung sei kurzzeitig unterbrochen gewesen, inzwischen seien jedoch alle Leitungen wieder in Betrieb. Zu einem größeren Stromausfall kam es nicht.
Auch bei der Frage möglicher Explosionen ist der Kenntnisstand noch uneinheitlich: Frühe Agenturmeldungen berichteten, einzelne Vorrichtungen seien detoniert. Das LKA erklärt nun dagegen, die konkret untersuchte Spreng- und Brandvorrichtung sei nicht explodiert.
Täter, Motiv und möglicher politischer Hintergrund bleiben weiterhin völlig offen. Es gibt bislang weder eine bestätigte Verbindung zu Russland oder einem ausländischen Nachrichtendienst noch zum Leipziger Drohnenfall.
Sprengsätze am Stromnetz:
Mutmaßlicher Anschlag nahe Jänschwalde – was bisher bekannt ist
Mehrere Spreng- und Brandvorrichtungen wurden an einem wichtigen Umspannwerk in Brandenburg entdeckt, einzelne sollen bereits detoniert sein. Die MAZ berichtet sogar von selbstgebauten, mit Sprengstoff bestückten „Raketen“. 50Hertz bestätigt Beschädigungen und eine kurzzeitige Leitungsunterbrechung. Täter und Motiv sind bislang unbekannt.
Stand: 1. September 2026, kurz nach 13 Uhr
Brisanter Vorfall an der Energie-Infrastruktur in Brandenburg: Am Umspannwerk Turnow-Preilack nahe dem Kraftwerk Jänschwalde wurden mehrere Spreng- und Brandvorrichtungen entdeckt. Einige sollen bereits explodiert sein. Die MAZ berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise sogar von selbstgebauten, mit Sprengstoff bestückten „Raketen“. 50Hertz bestätigt Schäden und eine kurzzeitige Unterbrechung einer Leitung. Täter und Motiv sind bislang unbekannt.
Sprengsätze am Stromnetz: Was geschah bei Jänschwalde?
Ein ungewöhnlicher und möglicherweise schwerwiegender Angriff auf die deutsche Energie-Infrastruktur beschäftigt seit Dienstagmittag Polizei und Landeskriminalamt in Brandenburg.
Am Umspannwerk Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße, unweit des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde, wurden mehrere verdächtige Vorrichtungen entdeckt. Was zunächst als mögliche Sachbeschädigung an einer Stromleitung gemeldet wurde, entwickelte sich innerhalb weniger Stunden zu einem Einsatz von Sprengstoffexperten.
Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei den gefundenen Gegenständen um unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen – sogenannte USBV. Entschärfer wurden zum Einsatzort geschickt. Nach Angaben, die über die Deutsche Presse-Agentur verbreitet wurden, sollen einzelne Vorrichtungen bereits explodiert sein.
Die Ermittlungen hat das Landeskriminalamt Brandenburg übernommen. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht nach bisherigen Angaben nicht. Noch ist allerdings offen, wer hinter dem Angriff steckt und welches konkrete Ziel verfolgt wurde.
50Hertz bestätigt Schäden an seinem Übertragungsnetz
Besonders relevant ist inzwischen eine Stellungnahme des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz.
Nach dessen Angaben haben bislang unbekannte Täter am Dienstagmorgen mutmaßlich mehrere Leitungen im Übertragungsnetz beschädigt. Dabei kam es zu einer kurzzeitigen Leitungsunterbrechung.
Ein größerer Stromausfall blieb aus.
50Hertz arbeitet nach eigener Aussage mit den Sicherheitsbehörden zusammen und rief die Bevölkerung im Netzgebiet dazu auf, verdächtige Beobachtungen der Polizei zu melden.
Damit ist zumindest ein wesentlicher Teil der zunächst nur aus Medienkreisen bekannten Meldung bestätigt:
Es gab einen gezielten Eingriff in wichtige Strominfrastruktur – und dieser Eingriff hatte bereits technische Auswirkungen auf das Netz. Ob das eigentliche Ziel tatsächlich ein großflächiger Stromausfall war, ist dagegen bislang nicht offiziell festgestellt.
Die MAZ berichtet von mit Sprengstoff bestückten „Raketen“
Für besonderes Aufsehen sorgt die ursprüngliche Recherche der Märkischen Allgemeinen Zeitung.
Die MAZ berichtet unter Berufung auf Sicherheits- und Unternehmenskreise, dass das Umspannwerk mehrfach beschossen worden sein soll.
Einsatzkräfte hätten demnach weitere Vorrichtungen entdeckt und unschädlich gemacht. Dabei soll es sich um Konstruktionen gehandelt haben, mit denen mit Sprengstoff bestückte Projektile beziehungsweise „Raketen“ auf die Anlage geschossen werden konnten. Der Zeitung soll nach eigenen Angaben sogar ein Foto einer solchen Vorrichtung vorliegen. Die Konstruktion wird dabei als mutmaßlich selbstgebaut beschrieben.
Damit wäre die Tat deutlich ungewöhnlicher als die in Deutschland bereits mehrfach registrierten Brandanschläge auf Kabelschächte, Strommasten oder technische Anlagen. Doch genau an dieser Stelle ist journalistische Vorsicht notwendig.
Polizei: Ein bestätigter „Raketenangriff“ ist das bislang nicht
Mehrere Medien übernahmen innerhalb kürzester Zeit Formulierungen wie:
„Raketenangriff auf Jänschwalde“ oder sogar: „Kraftwerk mit Raketen beschossen“.
Das geht nach dem derzeit offiziell bestätigten Kenntnisstand zu weit.
Die Polizei bestätigte gegenüber RTL zwar die gefundenen Sprengvorrichtungen, erklärte jedoch ausdrücklich, von einem Raketenangriff könne derzeit keine Rede sein. Damit existieren momentan zwei Ebenen der Berichterstattung:
Die Polizei bestätigt Spreng- und Brandvorrichtungen sowie mögliche Beschädigungen.
Die MAZ berichtet darüber hinaus aus Sicherheits- und Unternehmenskreisen von selbstgebauten raketenartigen Vorrichtungen und einem mehrfachen Beschuss. Das muss kein Widerspruch bleiben. Es kann schlicht bedeuten, dass die Ermittler die verwendete Technik zunächst kriminaltechnisch untersuchen müssen, bevor sie öffentlich eine konkrete Bezeichnung verwenden. Bis dahin sollte jedoch zwischen bestätigten Sprengvorrichtungen und dem bislang medial berichteten Raketenbeschuss unterschieden werden.
Nicht das Kraftwerk selbst
Eine weitere Ungenauigkeit verbreitet sich derzeit ebenfalls durch zahlreiche Schlagzeilen.
Der Angriff ereignete sich nach dem bisherigen Kenntnisstand nicht unmittelbar auf dem Gelände des Kraftwerks Jänschwalde, sondern am Umspannwerk Turnow-Preilack. T-online beziffert die Entfernung zum eigentlichen Kraftwerk auf rund zehn Kilometer. Das ist mehr als eine geografische Spitzfindigkeit. Das Umspannwerk gehört zum Übertragungsnetz von 50Hertz und ist Teil der Infrastruktur, über die große Strommengen verteilt und in das Höchstspannungsnetz eingespeist werden.
Das Kraftwerk Jänschwalde selbst gehört zum Energieunternehmen LEAG. Nach aktuellen Unternehmensangaben verfügt der Standort noch über rund 1.500 Megawatt installierte Leistung und erzeugte 2025 rund 8,2 Milliarden Kilowattstunden Strom.
Der Vorfall betrifft damit keine kleine örtliche Trafostation, sondern Infrastruktur auf Ebene des deutschen Übertragungsnetzes.
Warum der Vorfall sicherheitspolitisch relevant ist
Angriffe auf Umspannwerke, Hochspannungsleitungen und Kommunikationsknoten können mit vergleichsweise einfachen Mitteln erhebliche Auswirkungen verursachen.
Das Stromnetz ist zwar redundant aufgebaut. Der Ausfall einer einzelnen Leitung muss daher nicht automatisch einen Blackout verursachen. Gerade deshalb ist die Meldung von 50Hertz interessant: Trotz der Beschädigung konnte das Netz den Vorfall offenbar abfangen. Es kam lediglich zu einer kurzzeitigen Unterbrechung einer Leitung und nicht zu einem größeren Stromausfall. Sollte sich jedoch bestätigen, dass mehrere Sprengvorrichtungen gezielt auf verschiedene technische Komponenten oder Leitungen gerichtet waren, würde dies die Frage aufwerfen, ob die Täter Kenntnisse über den Aufbau der Anlage und mögliche Schwachstellen besaßen. Dazu liegen bislang allerdings keine belastbaren öffentlichen Erkenntnisse vor.
Täter und Motiv völlig offen
Gerade angesichts anderer aktueller Sicherheitsvorfälle liegt es nahe, sofort über mögliche Hintergründe zu spekulieren.
Dafür gibt es derzeit keine ausreichende Grundlage.
Bislang ist öffentlich weder bekannt, dass es ein Bekennerschreiben gibt, noch haben die Ermittler eine bestimmte Tätergruppe genannt.
Es gibt derzeit auch keinen belastbaren Beleg für eine Verbindung zu Russland, einem ausländischen Nachrichtendienst, einer extremistischen Gruppierung oder dem zuletzt diskutierten Drohnenfall von Leipzig.
Eine solche Verbindung mag Gegenstand der Ermittlungen werden. Sie ist aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt Spekulation.
Das gilt ebenso für mögliche politische Motive aus dem links-, rechts- oder klimaextremistischen Spektrum.
Solange LKA, Staatsanwaltschaft oder andere Sicherheitsbehörden keine entsprechenden Erkenntnisse veröffentlichen, wäre jede Täterzuordnung voreilig.
Von der „Sachbeschädigung“ zum möglichen Anschlag
Bemerkenswert ist auch, wie schnell sich das Lagebild am Dienstag verändert hat.
Zunächst sprach die Polizei lediglich von einer möglichen Sachbeschädigung an einer Leitung.
Kurz darauf wurde bekannt, dass Spezialisten für unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen vor Ort waren.
Danach bestätigten Medien unter Berufung auf die Polizei mehrere Sprengvorrichtungen.
Schließlich wurde bekannt, dass offenbar einzelne Vorrichtungen bereits detoniert waren und 50Hertz eine kurzzeitige Leitungsunterbrechung registriert hatte. Parallel veröffentlichte die MAZ ihre wesentlich weitergehenden Informationen über den mutmaßlichen Beschuss. Der Fall entwickelt sich damit innerhalb weniger Stunden von einer möglichen Sachbeschädigung zu einem möglichen gezielten Anschlag auf kritische Infrastruktur.
Kritische Infrastruktur zunehmend im Fokus
Der Vorfall trifft Deutschland in einer Phase zunehmender Sensibilität für Sabotageakte gegen Energie-, Kommunikations- und Verkehrsinfrastruktur. Stromleitungen, Bahnstrecken, Kommunikationskabel, Pipelines und Energieanlagen gelten als besonders sensible Ziele. Dabei muss ein erfolgreicher Angriff nicht zwangsläufig die gesamte Anlage zerstören.
Oft genügt die Beschädigung einzelner zentraler Komponenten, um Reparaturen, Umleitungen, Sicherheitsabschaltungen oder Netzprobleme auszulösen. Genau deshalb wird entscheidend sein, was die kriminaltechnische Untersuchung in Brandenburg ergibt: Wo wurden die Vorrichtungen angebracht oder abgefeuert? Welche Komponenten wurden getroffen? Welche Sprengstoffe wurden verwendet? Und waren die Täter mit dem Aufbau des Stromnetzes vertraut?
Diese Fragen dürften für das LKA inzwischen mindestens ebenso wichtig sein wie die reine Suche nach den Tätern.
Was bisher als gesichert gelten kann
Am Umspannwerk Turnow-Preilack wurden mehrere unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen entdeckt.
Zumindest einige Vorrichtungen sollen bereits detoniert sein.
Es entstanden Beschädigungen beziehungsweise Auffälligkeiten an Leitungen des 50Hertz-Übertragungsnetzes.
50Hertz registrierte eine kurzzeitige Leitungsunterbrechung.
Ein großflächiger Stromausfall trat nicht ein. Sprengstoffexperten waren vor Ort. Das Landeskriminalamt Brandenburg ermittelt. Nach Angaben der Behörden besteht keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung.
Was bislang nicht bestätigt ist
Nicht abschließend bestätigt ist dagegen, ob die gefundenen Vorrichtungen technisch tatsächlich als Raketen einzustufen sind.
Auch der von der MAZ berichtete mehrfache Beschuss ist bislang keine offiziell veröffentlichte Feststellung der Polizei.
Ebenso unklar sind Täterzahl, Tatzeitpunkt, verwendeter Sprengstoff, genaue Bauart der Vorrichtungen und das konkrete Anschlagsziel. Vor allem aber gibt es bislang keine öffentlich bekannte Täterzuordnung und kein bestätigtes politisches Motiv.
Ein Angriff, dessen Dimension noch nicht feststeht
Schon jetzt lässt sich festhalten:
Der Vorfall von Turnow-Preilack ist mehr als eine gewöhnliche Sachbeschädigung.
Spreng- beziehungsweise Brandvorrichtungen wurden an einer Anlage des deutschen Höchstspannungsnetzes entdeckt, mindestens ein Teil davon scheint funktioniert zu haben und eine Leitung wurde kurzzeitig unterbrochen.
Wie gefährlich der Angriff tatsächlich war, wird sich jedoch erst nach Abschluss der kriminaltechnischen Untersuchung beurteilen lassen.
Die entscheidende Frage lautet nun deshalb nicht nur, wer hinter dem Vorgang steckt.
Entscheidend wird auch sein, wie professionell der Angriff vorbereitet war und welches Schadenspotenzial die gefundenen Vorrichtungen tatsächlich besaßen. Dass aus einem bislang weitgehend unbekannten Vorfall innerhalb weniger Stunden Schlagzeilen über einen „Raketenangriff auf Deutschlands Energieversorgung“ geworden sind, zeigt zugleich ein zweites Problem: Bei einer derart sensiblen Nachrichtenlage ist die Trennung zwischen bestätigtem Tatbestand, Informationen aus Sicherheitskreisen und medialer Zuspitzung besonders wichtig.
Bislang lautet der belastbare Kern:
Es hat einen offenbar gezielten Angriff auf wichtige Strominfrastruktur gegeben. Sprengvorrichtungen wurden gefunden, einzelne detonierten und eine Leitung wurde kurzzeitig unterbrochen. Wer dahintersteht und ob tatsächlich selbstgebaute „Raketen“ eingesetzt wurden, müssen die Ermittler erst noch klären.
BERICHTSSACHE wird den Fall aktualisieren, sobald LKA, Polizei, 50Hertz oder andere Behörden neue belastbare Erkenntnisse zu Tatmitteln, Tätern oder Motiv veröffentlichen.
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