Die nukleare Schwelle: Wie real ist ein US- oder israelischer Atomschlag gegen Iran?

Die nukleare Schwelle:

Wie real ist ein US- oder israelischer Atomschlag gegen Iran?


Berichte aus dem Pentagon, frühere US-Kriegsplanungen, Aussagen ehemaliger israelischer Militärchefs und aktuelle Analysen internationaler Sicherheitsexperten zeigen: Die Vorstellung eines taktischen Nuklearschlags gegen tief verbunkerte iranische Atomanlagen ist keine reine Internet-Spekulation. Zwischen einem militärisch durchgerechneten Szenario und einer politischen Entscheidung liegen jedoch Welten. Was ist belegt – und wo beginnt die Spekulation?


Eine Atombombe auf Iran? Nach Auswertung internationaler Agenturberichte, amerikanischer und israelischer Medien, sicherheitspolitischer Thinktanks und historischer Quellen lässt sich feststellen: Die nukleare Option gegen iranische Nuklearanlagen war tatsächlich mehrfach Gegenstand militärischer und strategischer Überlegungen. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Washington oder Jerusalem derzeit beschlossen hätten, eine Atombombe einzusetzen – dafür gibt es keinen belastbaren Beleg. Ebenso falsch wäre aber die Behauptung, ein solches Szenario existiere nur in sozialen Medien. Besonders die Frage, wie extrem tief liegende Anlagen wie Fordow oder der neue unterirdische Komplex

„Pickaxe Mountain" zerstört werden könnten, hat die nukleare Option wiederholt in seriöse militärstrategische Debatten gebracht. Wahrscheinlich handelt es sich bei den bisherigen öffentlichen Drohungen vor allem um Abschreckungsrhetorik

– aber gerade deshalb muss man wissen, worüber tatsächlich gesprochen wird.


2006: Der erste dokumentierte Fall

Der Investigativjournalist Seymour Hersh berichtete bereits im April 2006 im New Yorker ausführlich über amerikanische Planungen für mögliche Angriffe auf das iranische Atomprogramm. Unter Berufung auf damalige und ehemalige

Militär- und Geheimdienstvertreter schrieb Hersh, eine der ursprünglichen Pentagon-Optionen habe den Einsatz einer taktischen nuklearen Bunkerwaffe vom Typ B61-11 gegen unterirdische Anlagen bei Natanz vorgesehen. Bemerkenswert:

Laut Hershs Quellen gab es innerhalb des Militärs erheblichen Widerstand – Mitglieder der Joint Chiefs of Staff sollen darauf gedrängt haben, die Nuklearoption wieder aus den Planungen zu entfernen.

Das war nie eine offiziell bestätigte Einsatzentscheidung der Bush-Regierung, die öffentlich weiter auf Diplomatie setzte. Gleichzeitig erklärte das Weiße Haus damals ausdrücklich, der Präsident nehme grundsätzlich keine Optionen vom Tisch. Der historische Vorgang zeigt: Das Grundproblem ist seit zwei Jahrzehnten dasselbe. Je tiefer Iran entscheidende Teile seines Nuklearprogramms unter Erde und Fels verlegt, desto eher taucht innerhalb militärstrategischer Überlegungen die Frage nach Nuklearwaffen auf.


2012: Ein israelischer Ex-Generalstabschef spricht offen darüber

Der frühere israelische Generalstabschef Dan Halutz wurde von The Times of Israel unter Bezugnahme auf die Sunday Times mit der Einschätzung zitiert, nur die „nuclear option" könne das iranische Atomprogramm vollständig beenden – machte aber zugleich unmissverständlich klar, er hoffe, Ministerpräsident Benjamin Netanyahu würde eine solche Möglichkeit gerade nicht ernsthaft erwägen. Auch das ist kein Nachweis eines israelischen Einsatzplans, zeigt aber, dass die militärtechnische Frage innerhalb israelischer Sicherheitskreise bekannt war.

Israel bestätigt offiziell bis heute weder Besitz noch Nichtbesitz von Atomwaffen (Politik der „nuklearen Ambiguität"). Unabhängige Rüstungskontrollorganisationen gehen dennoch von einem israelischen Arsenal aus; die Arms Control Association nennt auf Basis von SIPRI-Schätzungen aktuell rund 90 Sprengköpfe. Israel hätte damit – anders als

Iran – nach praktisch allen unabhängigen Einschätzungen tatsächlich die technische Fähigkeit zu einem nuklearen Einsatz.


Die Samson-Option: Israels ungeschriebene Doktrin

Wer über eine mögliche nukleare Eskalation gegen Iran spricht, muss auch über das nukleare Doktrin-Konzept sprechen, das seit Jahrzehnten mit Israel selbst verbunden wird: die sogenannte Samson-Option.

Der Begriff geht auf denselben Journalisten zurück, der bereits 2006 über amerikanische Nuklearpläne gegen Iran berichtete: Seymour Hersh prägte ihn 1991 in seinem Buch The Samson Option: Israel's Nuclear Arsenal and American Foreign Policy. Benannt nach der biblischen Figur Samson, der sich beim Einsturz eines Philistertempels selbst tötete, um zugleich seine Feinde mit sich zu reißen, beschreibt der Begriff eine Israel zugeschriebene, nie offiziell bestätigte Doktrin: Sollte der Staat Israel existenziell überrannt und seine Vernichtung unmittelbar bevorstehen, würde er als allerletztes Mittel massiv nuklear zurückschlagen – notfalls auch unter Inkaufnahme katastrophaler globaler Folgen. Hersh stützte sich für sein Buch maßgeblich auf den früheren israelischen Geheimdienstmitarbeiter Ari Ben-Menashe; nach eigener Aussage reiste er nicht selbst zu Interviews nach Israel, weil er eine militärische Zensur seiner Recherche befürchtete – ein methodischer Vorbehalt, den auch die New York Times seinerzeit hervorhob.

Historisch verankert wird das Konzept meist im Oktober 1973, während des Jom-Kippur-Kriegs: Nach anfänglichen Erfolgen der angreifenden arabischen Militärkoalition geriet Israel in eine existenzbedrohliche Defensive. Hersh behauptete, Ministerpräsidentin Golda Meir habe auf Drängen von Verteidigungsminister Mosche Dajan den Befehl gegeben, 13 Atombomben gefechtsklar zu machen – als Drohkulisse, die auch dazu gedient haben soll, die Regierung Nixon zu einer beschleunigten Waffenlieferung an Israel zu bewegen. Diese Darstellung ist bis heute nicht unabhängig bestätigt und in Details umstritten: Ein Berater des damaligen Ministers Jisrael Galili sagte in einem erst 2013 freigegebenen Video, Dajan habe zwar gedrängt, Atomwaffen gefechtsbereit zu machen, Meir habe dies jedoch abgelehnt. Israel selbst hat sich, der eigenen Ambiguitätspolitik treu, nie offiziell zu den Vorgängen von 1973 geäußert.

Wichtig für die Einordnung: Die Samson-Option ist explizit als letztes, existenzielles Verteidigungsmittel konzipiert

– ein angedrohter nuklearer Vergeltungsschlag im Falle der drohenden eigenen Vernichtung, nicht ein Erstschlag gegen ein fremdes Atomprogramm. Sie unterscheidet sich damit kategorial von den in diesem Artikel behandelten Überlegungen zu einem taktischen Schlag gegen Fordow oder Pickaxe Mountain, die als offensive, präventive Bunkerbrecher-Optionen diskutiert werden. Dennoch gehören beide Konzepte in dieselbe strategische Landschaft, weil sie auf derselben Grundlage beruhen: Israels erklärtermaßen nie bestätigtes, aber von unabhängigen Experten für real gehaltenes Nukleararsenal.

Bezeichnend ist, dass das Konzept auch 2026 wieder in der Fachdiskussion auftaucht. Ein im März 2026 erschienener Beitrag von The Wire ordnete die Samson-Option ausdrücklich in den Kontext des laufenden, von den USA und Israel unter dem Codenamen „Epic Fury" geführten Luftkriegs gegen Iran ein: Auch wenn keine unmittelbare existenzielle Bedrohung Israels erkennbar sei, während Teheran anhaltenden Luftangriffen standhalte und seinerseits ballistische

Kurz- und Mittelstreckenraketen, Hyperschall-Marschflugkörper und Kampfdrohnen gegen israelische und amerikanische Luftabwehrsysteme in mehreren Golfstaaten einsetze, bleibe das Konzept „am Rand des strategischen Denkens" präsent. Das zeigt: Die Samson-Option wird nicht als aktuell drohendes Szenario diskutiert, sondern als Teil der strukturellen Hintergrundlogik, vor der jede israelische sicherheitspolitische Entscheidung – einschließlich der Frage eines möglichen eigenen nuklearen Erstschlags gegen iranische Anlagen – historisch und psychologisch steht: ein Land, das aus der Erfahrung existenzieller Bedrohung heraus entschieden hat, im äußersten Fall über keine rote Linie mehr zu verfügen.


Juni 2025: Fordow und ein Bericht aus dem Pentagon

Der bislang konkreteste aktuelle Hinweis stammt aus dem Juni 2025. Reuters berichtete unter Berufung auf den Guardian, US-Verteidigungsbeamte seien darüber informiert worden, dass konventionelle Bomben möglicherweise nicht ausreichen würden, um die tief im Berg liegende Urananreicherungsanlage Fordow vollständig zu zerstören. Nach der dargestellten technischen Einschätzung wäre dafür zunächst der Einsatz konventioneller Waffen und anschließend möglicherweise der Abwurf einer taktischen Nuklearwaffe durch einen B-2-Bomber erforderlich gewesen. Reuters berichtete damit ausdrücklich über Briefings innerhalb des amerikanischen Verteidigungsapparates – nicht über die Spekulation eines Fernsehkommentators.

Entscheidend ist die unmittelbar folgende Einschränkung: Donald Trump erwog diese nukleare Option nach denselben Berichten nicht, und weder Verteidigungsminister Pete Hegseth noch Generalstabschef Dan Caine präsentierten sie bei den Beratungen im Situation Room. Das Szenario war offenbar Gegenstand technischer Betrachtungen – aber keine dem Präsidenten zur Entscheidung vorgelegte Einsatzoption. Die USA entschieden sich für die konventionelle Variante: Beim Angriff auf Fordow im Juni 2025 (Operation Midnight Hammer) wurden die speziell für tief verbunkerte Ziele entwickelten GBU-57 „Massive Ordnance Penetrator"-Bomben eingesetzt, zusammen mit Angriffen auf Natanz und Isfahan.

Wie ernst diese Berichte international genommen wurden, zeigt die Reaktion Moskaus: Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete einen möglichen amerikanischen Einsatz taktischer Nuklearwaffen in Iran am 20. Juni 2025 als

„katastrophale Entwicklung" – reagierte damit laut Reuters allerdings auf die als spekulativ eingestuften Medienberichte, nicht auf bestätigte Pläne. Das ist kein Beweis für einen geplanten US-Atomschlag, zeigt aber, dass die Diskussion eine Größenordnung erreicht hatte, bei der selbst eine andere Atommacht öffentlich reagierte.


Sommer 2025: Ein US-Thinktank analysiert den Atomschlag ganz offen

Im Juni 2025 veröffentlichte das Washingtoner Center for Strategic and International Studies (CSIS) eine offene Analyse unter dem Titel Options for Targeting Iran's Fordow Nuclear Facility. Autorin Heather Williams, Direktorin des dortigen Project on Nuclear Issues, untersuchte darin amerikanische Bunkerbrecher, wiederholte israelische Angriffe, Sabotage, Diplomatie – und ausdrücklich Nuklearwaffen. Die Analyse kam zu dem Schluss, Israel besitze vermutlich nicht die konventionellen Waffen, um Fordow zuverlässig zu zerstören, verfüge aber wahrscheinlich über nukleare Fähigkeiten, mit denen dies grundsätzlich möglich wäre. Williams diskutierte sogar eine zweite Variante: Israel könnte seine nukleare Fähigkeit bewusst andeuten, ohne eine Waffe einzusetzen, um Iran zur Aufgabe oder zu Verhandlungen zu zwingen

– reine Drohgebärde als strategisches Instrument.

CSIS warnte gleichzeitig ausdrücklich vor den Folgen: humanitäre und ökologische Schäden, regionale Eskalation, weitere nukleare Aufrüstung anderer Staaten sowie massive internationale Konsequenzen für Israel. Diese Analyse beweist keinen israelischen Plan – zeigt aber, dass in einem der wichtigsten sicherheitspolitischen Forschungszentren Washingtons der nukleare Angriff auf eine iranische Anlage als reale militärische Option analysiert wird, nicht als Science-Fiction.

Wichtige Einordnung: Bei fast allen seriösen Überlegungen geht es nicht um den Abwurf einer strategischen Atombombe auf Teheran oder andere Großstädte, sondern um taktische, niedrigere nukleare Gefechtsköpfe gegen extrem tief verbunkerte militärische Anlagen. Das ist militärtechnisch relevant, darf aber politisch nicht verharmlosen: Auch eine vergleichsweise kleine Nuklearwaffe wäre eine Atomwaffe, ihr Einsatz würde das seit 1945 bestehende Tabu des nuklearen Ersteinsatzes im Krieg brechen.


April 2026: Als Verbündete in Washington nachfragten

Am 7. April 2026 drohte Trump Iran mit der Aussage, eine „whole civilization" könne noch in derselben Nacht untergehen. Die Formulierung war so drastisch, dass laut einem Reuters-Investigativbericht vom Mai 2026 eine europäische Regierung in Washington umgehend wissen wollte, ob der Präsident damit möglicherweise den Einsatz einer Nuklearwaffe meinte. Das US-Außenministerium konnte den Diplomaten zunächst keine klare Erklärung geben. Britische, französische und deutsche Regierungsvertreter bereiteten laut Reuters sogar eine scharfe gemeinsame Erklärung vor, verzichteten letztlich aber darauf. Hier befürchteten nicht Blogger einen Atomschlag, sondern Regierungen amerikanischer Verbündeter stellten Washington intern genau diese Frage – ausgelöst durch Trumps Rhetorik, nicht durch bekannte Informationen über eine vorbereitete Nuklearmission. Das Weiße Haus wies entsprechende Berichte zurück.

Am 23. April 2026 wurde Trump direkt gefragt, ob er im Iran-Krieg eine Atomwaffe einsetzen würde. Seine von Reuters auf Video dokumentierte Antwort: „Why would I use a nuclear weapon?" Die USA benötigten eine solche Waffe nicht und könnten ihre militärischen Ziele konventionell erreichen. Das ist die belastbarste öffentliche Aussage des Präsidenten selbst zu diesem Thema – wer behauptet, Trump habe einen Atomschlag angekündigt, ignoriert diese explizite Verneinung.

Dass Journalisten überhaupt direkt danach fragten und Verbündete zuvor dieselbe Frage stellten, zeigt aber, wie weit die nukleare Sorge in die politische Realität vorgedrungen war.


Pickaxe Mountain: Das neue Zentrum der Debatte

Damit erreicht die Debatte im Sommer 2026 einen neuen Punkt: Pickaxe Mountain, auf Persisch Kuh-e Kolang Gaz La,

ein hochgesicherter, tief unter dem Zagros-Gebirge angelegter Tunnelkomplex knapp anderthalb Kilometer südlich der Urananreicherungsanlage Natanz, die im Juni 2025 bombardiert wurde.

Die Anlage entstand nicht über Nacht: Der Bau begann bereits 2020, nach einer mutmaßlich von Israel verübten Sabotageaktion, bei der eine Zentrifugen-Fertigungshalle in Natanz explodierte. Der damalige Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi, kündigte damals vor dem Nationalen Sicherheitsausschuss des iranischen Parlaments an, man werde „im Inneren des Bergs bei Natanz" eine neue Zentrifugen-Montagehalle bauen.

Nach den US- und israelischen Angriffen von 2025 und 2026 intensivierte sich die Bautätigkeit an Pickaxe Mountain deutlich – Satellitenbilder von unter anderem Vantor/Reuters, ausgewertet vom Institute for Science and International Security (ISIS) unter David Albright, zeigen verstärkte Tunneleingänge, mit Fels und Erde überdeckte Portale und neue, betonverstärkte Vorbauten, die zusätzlichen Schutz gegen Luftangriffe bieten sollen.


Die Dimension der Anlage ist erheblich: Berichten zufolge liegt sie bis zu 100 Meter tief unter massivem Granitgestein, erstreckt sich über rund 2,7 Quadratkilometer und ist durch Flugabwehrbatterien, Zäune und Einheiten der Revolutionsgarden geschützt. Ein hochrangiger iranischer Regierungsberater bezeichnete Pickaxe Mountain als

„die am stärksten befestigte Nuklearanlage der Welt" und drohte öffentlich, die gesamte Region „zur Hölle" zu machen, sollte die Anlage angegriffen werden. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte nach eigenen Angaben nie Zugang zu der Anlage; IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi bestätigte, Teheran verweigere Inspektoren den Zutritt.

Nach IAEA-Angaben verfügte Iran vor den Angriffen von 2025 über rund 441 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran – nach Einschätzung von Sicherheitsexperten genug Material für bis zu elf Atomwaffen, sofern es weiter angereichert würde. Grossi erklärte im März 2026, rund 200 Kilogramm des hochangereicherten Bestands lägen vermutlich weiterhin in tiefen Tunneln bei einer Anlage nahe Isfahan; zusätzliche Mengen werden bei Pickaxe Mountain vermutet.

Das entscheidende strategische Problem: Nach Einschätzung von Experten könnte die Anlage so tief liegen, dass

selbst die stärksten konventionellen amerikanischen Bunkerbrecher – konzipiert, um genau solche Ziele wie Fordow zu erreichen – sie nicht zuverlässig zerstören können. Reuters berichtete das am 23. Juli 2026 ausdrücklich; als Alternativen werden unter anderem Bodenoperationen oder erneute Sabotage genannt. Trump drohte öffentlich mehrfach mit einem Angriff auf die Anlage: „We'll be hitting that area very probably pretty soon. And there's not a thing they can do about it." Teheran erklärte staatlichen Medien zufolge, jeder US-Angriff auf iranische Nuklearanlagen werde als Ausweitung des Kriegs in der Region gewertet.


Ende Juli besprachen Trump und Netanyahu nach Angaben eines hochrangigen israelischen Regierungsvertreters im Weißen Haus sämtliche Optionen gegenüber Iran. Reuters nennt drei ausführlich diskutierte Möglichkeiten: ein ausgehandeltes Abkommen, fortgesetzte wirtschaftliche und militärische Druckmaßnahmen, sowie einen

„massive strike". Wichtig: Reuters berichtet nicht, dass dieser „massive strike" einen Nuklearwaffeneinsatz beinhalten soll, und der israelische Vertreter sagte laut Bericht nicht, Netanyahu habe zu einer erneuten militärischen Eskalation gedrängt.

Am 11. August formulierte Trump seine Optionen erneut drastisch – wirtschaftlicher Druck oder ein Treffer

„really, really hard" –, wiederum ohne ausdrückliche Erwähnung einer Nuklearwaffe.


Und genau jetzt warnt ein europäischer Thinktank erneut

Besonders relevant ist deshalb eine aktuelle Analyse des European Council on Foreign Relations (ECFR). Der regelmäßig aktualisierte Iran Nuclear Monitor, zuletzt am 15. Juli 2026 überarbeitet, untersucht verschiedene Entwicklungsszenarien für Irans Atomprogramm – darunter die tatsächliche iranische Entscheidung zur Herstellung von Atomwaffen. Der ECFR formuliert dabei einen bemerkenswerten Satz: Eine iranische Weaponisierung berge das Risiko, „einen amerikanischen oder israelischen Einsatz taktischer Nuklearwaffen zu provozieren". Das ist keine Geheimdienstinformation und keine Aussage der US-Regierung, aber eine aktuelle Einschätzung eines etablierten europäischen sicherheitspolitischen Thinktanks, gestützt auf Nuklearsicherheitsexperten, Open-Source-Intelligence, IAEA-Angaben und Satellitenanalysen.


Warum Washington und Jerusalem nicht dasselbe sehen

Reuters berichtete am 13. August 2026 über erhebliche Unterschiede zwischen amerikanischen und israelischen Geheimdiensteinschätzungen. Nach Angaben aktueller und ehemaliger US-Offizieller schätzten amerikanische Nachrichtendienste Anfang 2026 weiterhin ein, Iran baue nicht aktiv eine Atomwaffe, während Israel argumentierte, Teheran stelle eine dringende nukleare Bedrohung dar. Reuters berichtet zudem über Fälle, in denen amerikanische Dienste israelische Geheimdienstinformationen nicht unabhängig verifizieren konnten oder nur geringes Vertrauen in einzelne Einschätzungen hatten.

Diese Differenz ist zentral: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine nukleare Option überhaupt ernsthaft auf die politische Ebene gelangt, dürfte wesentlich davon abhängen, ob Washington oder Jerusalem zu der Überzeugung gelangen, Iran stehe unmittelbar vor einer tatsächlichen Weaponisierung – und ob sich das Programm gleichzeitig in Anlagen verlagert, die konventionell nicht mehr zerstört werden können. Pickaxe Mountain könnte genau diese beiden Fragen miteinander verbinden.


Die amerikanische Doktrin: eine hohe, aber keine unüberwindbare Schwelle

Die 2022 veröffentlichte Nuclear Posture Review der USA formuliert, dass Kernwaffen nur unter „extreme circumstances" erwogen würden, wenn vitale Interessen der USA oder ihrer Verbündeten verteidigt werden müssten – die fundamentale Rolle der amerikanischen Nuklearstreitkräfte sei die Abschreckung eines Nuklearangriffs. Das Dokument enthält zudem eine negative Sicherheitsgarantie gegenüber Nicht-Atomwaffenstaaten des Atomwaffensperrvertrags, sofern diese ihre Nichtverbreitungsverpflichtungen einhalten. Das ist allerdings keine Garantie dafür, was ein Präsident in einer extremen Krisensituation tatsächlich anordnen würde – und die strategischen Rahmenbedingungen haben sich seit 2022 erheblich verändert. Die 2026 veröffentlichte National Defense Strategy fordert weiterhin eine robuste, modernisierte nukleare Abschreckung.


Die Stimmen aus der Region: Iran, Oman, Pakistan

Ein wichtiger Teil dieser Debatte fehlt, wenn man nur westliche und israelische Quellen liest: die Reaktionen aus Teheran selbst und aus den beiden Staaten, die im Hintergrund am intensivsten vermitteln – Oman und Pakistan.


Iran bestreitet die Existenz jeder nuklearen Aktivität bei Pickaxe Mountain. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baqaei, erklärte auf X, „Washingtons obsessive Fixierung auf Kolang Kouh, wo keinerlei nukleare Aktivität stattfindet, ist nichts weiter als ein fabrizierter Vorwand für Aggression, Zerstörung und Sabotage"

– Irans nukleare Aktivitäten seien vollständig gegenüber der IAEA deklariert. Das oberste gemeinsame Militärkommando Irans, Khatam al-Anbiya, drohte nach Trumps Ankündigungen, im Fall eines Angriffs auf iranische Nuklearanlagen

„die Interessen der USA und ihrer Verbündeten" ins Visier zu nehmen. Diese Position ist wichtig, gerade weil sie der amerikanischen und israelischen Darstellung direkt widerspricht: Aus iranischer Sicht ist die gesamte

Pickaxe-Mountain-Debatte ein konstruierter Kriegsvorwand, keine reale Bedrohung. Bemerkenswert dabei ist der Zeitpunkt: Berichten von Times of Israel zufolge hat Trump selbst gegenüber Beratern eingeräumt, er bevorzuge es,

Iran bewusst über seine wahren Absichten im Unklaren zu lassen, indem er bombastische Drohungen ausspreche – auch wenn er nicht vorhabe, sie tatsächlich umzusetzen. Das relativiert nicht, was gesagt wurde, ordnet es aber als mögliches strategisches Kommunikationsmuster ein, nicht zwingend als unmittelbar bevorstehende Handlung.


Oman ist seit Jahrzehnten der zentrale diplomatische Vermittler zwischen Washington und Teheran, die seit 1980

keine offiziellen diplomatischen Beziehungen unterhalten. Muscat war Gastgeber mehrerer Verhandlungsrunden 2025 und 2026; Omans Außenminister Badr bin Hamad Al Busaidi erklärte im Februar 2026 nach einer Gesprächsrunde, Iran habe zugesagt, niemals wieder angereichertes Uran zu horten – ein „Durchbruch", der Frieden „in Reichweite" rücken lasse. Bemerkenswert: Trotz seiner Vermittlerrolle wurde Oman selbst Kriegsschauplatz – ab dem 28. Februar 2026 griff Iran nach Kriegsausbruch mit Drohnen Ziele in Oman an, darunter die von den USA genutzten Häfen Duqm und Salalah sowie zwei Öltanker, weil Oman den USA seit 2019 Zugang zu diesen Häfen gewährt. Ein Land, das als neutraler Vermittler auftritt, wurde damit selbst militärisch in den Konflikt hineingezogen – ein Umstand, der in westlicher Berichterstattung

oft untergeht.


Pakistan übernahm im Verlauf des Kriegs 2026 eine noch direktere Vermittlerrolle als Oman, teils aus Prinzip, teils aus Selbstschutz: Als einzige Atommacht der islamischen Welt und über einen Beistandspakt mit Saudi-Arabien verbunden, drohte Pakistan nach iranischen Angriffen auf Saudi-Arabien selbst in den Krieg hineingezogen zu werden

– rund 85 Prozent des pakistanischen Ölimports laufen durch die Straße von Hormus. Ministerpräsident Shehbaz Sharif erwirkte am 8. April 2026 in letzter Minute, nur Stunden vor Ablauf eines Trump-Ultimatums, eine zweiwöchige

Waffenruhe; Außenminister Ishaq Dar übermittelte anschließend einen 15-Punkte-Friedensplan der USA an Teheran

und schlug einen überwachten Rahmen für die Urananreicherung vor. Iran ließ als vertrauensbildende Geste täglich unter pakistanischer Flagge fahrende Schiffe die Straße von Hormus passieren. Auch der iranische Außenminister Abbas Araghtschi nutzte Pakistan als Kanal, um Forderungen Teherans an Washington zu übermitteln.

Innenpolitisch zeigte der Krieg dabei Pakistans eigene Zerrissenheit: Nach Berichten über den Tod des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Ali Chamenei im Verlauf des Kriegs kam es in mehreren pakistanischen Städten zu Protesten, insbesondere in der schiitischen Minderheit des Landes (schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung); Demonstranten verurteilten die USA und Israel, warfen der eigenen Regierung zu große Nähe zu Washington vor, und beim Versuch, das US-Konsulat in Karatschi zu stürmen, wurden nach Berichten mindestens zehn Menschen getötet.


Diese Chamenei-Meldung selbst ist an dieser Stelle ausdrücklich als unbestätigt zu kennzeichnen – sie stammt aus einer einzelnen, nicht mit unabhängigen Regierungsquellen gegengeprüften Quelle und wird in diesem Artikel nicht als gesicherte Tatsache übernommen, sollte aber, sofern zutreffend, die gesamte strategische Ausgangslage – wer in Teheran überhaupt noch über einen möglichen Nuklearwaffeneinsatz gegen Iran zu entscheiden hätte – erheblich verändern und verdient eigene, gesonderte Prüfung.

Der Befund aus diesen drei Perspektiven ist eindeutig: Aus Sicht Irans ist die gesamte nukleare Drohkulisse ein Vorwand für einen ohnehin gewollten Angriffskrieg. Aus Sicht der beiden zentralen Vermittler, Oman und Pakistan, ist die eigentliche Priorität nicht die nukleare Eskalationsfrage selbst, sondern die Verhinderung einer Eskalation überhaupt – notfalls durch aktive, auch riskante Vermittlung zwischen zwei Regierungen, die offiziell nicht miteinander sprechen.


China und Russland: Verurteilung nach außen, Kalkül im Hintergrund

Auch die beiden anderen Weltmächte mit ständigem Sitz im UN-Sicherheitsrat positionierten sich deutlich – wobei sich bei beiden ein auffälliger Unterschied zwischen offizieller Sprachregelung und tatsächlichem Handeln zeigt, der für das Verständnis der Gesamtlage mindestens so aufschlussreich ist wie die Worte selbst.


China verurteilte die amerikanisch-israelischen Angriffe von Anfang an scharf. Das Außenministerium in Peking erklärte, man verurteile die Angriffe „aufs Schärfste" und rufe „alle Konfliktparteien, vor allem Israel," zu einer sofortigen Waffenruhe auf; Irans Souveränität, Sicherheit und territoriale Integrität müssten respektiert werden. Chinas staatliche Nachrichtenagentur bezeichnete den amerikanischen Einsatz militärischen Zwangs als „eklatanten Verstoß" gegen die

UN-Charta. Nach außen inszenierte sich Peking dabei bewusst als neutraler Vermittler – „Es liegt im Interesse der Region und der gesamten Welt, so rasch wie möglich eine Lösung zu finden", so das Außenministerium seit Kriegsbeginn – und beteiligte sich tatsächlich an Vermittlungsbemühungen für den späteren Waffenstillstand, nicht zuletzt weil eine dauerhafte Blockade der Straße von Hormus für Chinas eigene Ölimporte ein erhebliches Risiko darstellt.

Zwischen den Zeilen zeigt sich allerdings ein zweites Bild. Laut Recherchen der NZZ lieferte China Iran während des Krieges hochwertige Motoren für Shahed-Angriffsdrohnen sowie Chemikalien, die als Grundstoff für Raketentreibstoff

dienen – ausreichend, um nach Einschätzung von Beobachtern Hunderte ballistischer Raketen weiter zu versorgen, was iranische Angriffe auf US-Stützpunkte in Bahrain, Kuwait und weiteren Golfstaaten im Kriegsverlauf spürbar treffsicherer machte. Offiziell hält sich China nach eigener Aussage an das internationale Sanktionsregime gegen Iran; die jüngste Unterstützung wird von Peking nicht eingeräumt. Die chinesisch-iranische Kooperation ist zudem keine neue Entwicklung, sondern reicht Jahrzehnte zurück und umfasste zuletzt vor allem Know-how-Transfer und diskrete Komponentenlieferungen. Das Fazit einer Analyse des Schweizer Thinktanks „Der Pragmaticus" bringt Chinas Kalkül auf den Punkt: Der Krieg bindet erhebliche militärische Ressourcen der USA, verunsichert Europa – und verschafft Peking strategischen Spielraum, unter anderem mit Blick auf Taiwan, während Präsident Xi Jinping geduldig abwartet, wie sich

der Konflikt entwickelt.


Russland positionierte sich ebenfalls scharf gegen die amerikanisch-israelischen Angriffe, mit einer bemerkenswerten inhaltlichen Verschiebung im Kriegsverlauf. Bereits unmittelbar nach den ersten Angriffen im Februar 2026 nannte

Moskau das Vorgehen „unverantwortlich" und einen „eklatanten Verstoß gegen internationales Recht". Außenminister Sergej Lawrow bekräftigte wiederholt, Iran habe als Vertragspartei des Atomwaffensperrvertrags „jedes Recht",

Uran für friedliche Zwecke anzureichern, und verwies dabei ausdrücklich auf Bestätigungen sowohl der IAEA als auch amerikanischer Geheimdienste, wonach Iran zu diesem Zeitpunkt weder Atomwaffen produzierte noch deren Produktion versuchte. Im März 2026 warnte Lawrow bei einer Pressekonferenz, die Welt stehe „am Rand einer unkontrollierbaren Eskalation", die die nukleare Verbreitung eher anheizen als verhindern könnte, und erneuerte Putins Vorschlag eines Gipfeltreffens der „Atomaren Fünf" (Russland, China, USA, Großbritannien, Frankreich) im UN-Sicherheitsrat.

Ein einzelner Satz Lawrows verdient dabei besondere Aufmerksamkeit, weil er implizit genau die strategische Logik offenlegt, die dieser gesamte Artikel behandelt: „Wer Atomwaffen hat, wird nicht angegriffen." Lawrow argumentierte damit, Staaten mit Nuklearwaffen würden erfahrungsgemäß nicht militärisch attackiert – zugleich betonte er, Russland trete weiterhin entschieden für Nichtverbreitung ein und lehne jede Maßnahme ab, die einen nuklearen Rüstungswettlauf begünstige. Diese Aussage lässt sich auf zwei Arten lesen: als grundsätzliches, abstraktes Prinzip der internationalen Sicherheitspolitik – oder, deutlich zugespitzter, als indirekter Hinweis darauf, dass ausgerechnet der Angriff auf ein nicht-nukleares Iran anderen Staaten in der Region und darüber hinaus die gegenteilige Lehre nahelegen könnte: dass der Besitz eigener Atomwaffen der wirksamste Schutz vor genau einem solchen Angriff wäre. Bezeichnend ist außerdem,

dass Lawrow diese Position mit Verweis auf Russlands eigene Konflikte formulierte (unter anderem Venezuela, Kuba, den israelisch-palästinensischen Konflikt) – ein Muster, das zeigt, wie Moskau den Iran-Krieg auch zur Untermauerung eigener außenpolitischer Erzählungen gegenüber dem Westen nutzt.


Nordkorea reihte sich am 24. Februar 2026 mit einer eigenen scharfen Verurteilung der US-Angriffe „aufs Schärfste" ein und warf Washington einen Verstoß gegen internationales Recht vor – ein viertes autoritäres Regime, das den Konflikt erkennbar auch zur eigenen Positionierung gegenüber den USA nutzte, ohne selbst unmittelbar involviert zu sein.

Der Befund aus China und Russland ergänzt damit das Bild aus der Region auf eigene Weise: Beide Mächte verurteilen

die Angriffe rhetorisch scharf und stellen sich öffentlich als Anwälte des Völkerrechts und der iranischen Souveränität dar

 – während China gleichzeitig nachweislich Material lieferte, das Irans militärische Fähigkeiten im Krieg konkret

verbesserte, und Russland die Gelegenheit nutzte, um mit Blick auf die eigene Position gegenüber dem Westen implizit

für den Wert nuklearer Abschreckung zu werben. Wer nur die offiziellen Erklärungen liest, bekommt damit bestenfalls die halbe Geschichte.


Zusammenfassung: Was ist belastbar, was ist Spekulation?

Belegt ist: Ein taktischer Nuklearschlag gegen tief verbunkerte iranische Anlagen kommt in seriösen militärischen und sicherheitspolitischen Überlegungen wiederholt vor – belegt durch amerikanische Planungen von 2006, Berichte über Pentagon-Briefings 2025 sowie aktuelle Analysen von CSIS und ECFR. Ebenfalls belegt: Ein ehemaliger hochrangiger israelischer Militär hat eine nukleare Option gegen Iran öffentlich diskutiert, und Israel verfügt nach internationalen Schätzungen selbst über ein Nukleararsenal.

Nicht belegt ist: dass Trump oder Netanyahu einen Einsatz von Nuklearwaffen beschlossen, angeordnet oder aktuell als bevorzugte Option ausgewählt hätten. Im Gegenteil – Trump hat einen eigenen Nuklearwaffeneinsatz im April 2026 ausdrücklich verneint.

Real, wenn auch spekulativ, bleibt die Gefahr: dass immer tiefer verbunkerte iranische Anlagen die Frage erneut aufwerfen. Pickaxe Mountain gilt Experten zufolge bereits als möglicherweise außerhalb der Reichweite der stärksten konventionellen US-Bunkerbrecher, während Trump gleichzeitig öffentlich mit dessen Zerstörung droht und Iran mit einer Ausweitung des Kriegs kontert.


Warum das Szenario dennoch ernster genommen werden sollte

Der entscheidende Punkt ist nicht, ob morgen ein B-2-Bomber mit einer Nuklearwaffe Richtung Iran startet – dafür existieren keinerlei belastbare öffentliche Hinweise. Entscheidend ist eine strategische Entwicklung: Je tiefer Iran seine entscheidenden nuklearen Anlagen verbunkert, desto größer wird die Lücke zwischen dem politischen Ziel

– Irans nukleare Fähigkeiten notfalls militärisch vollständig zu zerstören – und den Möglichkeiten konventioneller Waffen. Fordow demonstrierte dieses Problem 2025. Pickaxe Mountain könnte es verschärfen. Und genau in dieser Lücke taucht die taktische Nuklearwaffe auf – nicht als gewünschte, nicht als erste, und nach allem, was öffentlich bekannt ist, derzeit auch nicht als beschlossene Option. Aber als militärisch denkbare letzte Option. Das allein ist geopolitisch außergewöhnlich, selbst wenn die bisherigen Äußerungen aus Washington überwiegend als Drohgebärde und Verhandlungsdruck gegenüber Teheran gelesen werden können.


Was ein tatsächlicher Nukleareinsatz auslösen würde

Ein amerikanischer oder israelischer Nuklearschlag auf Iran wäre der erste kriegerische Einsatz einer Kernwaffe seit 1945. Das fast acht Jahrzehnte bestehende nukleare Tabu wäre gebrochen; die Vorstellung, Atomwaffen dienten primär der Abschreckung und nicht dem Angriff auf konventionell schwer erreichbare Ziele, wäre fundamental erschüttert.

CSIS warnt ausdrücklich vor humanitären und ökologischen Folgen, weiterer Eskalation und der Gefahr, dass andere Staaten der Region anschließend selbst nach Atomwaffen streben. Für Israel würde zusätzlich die jahrzehntelange Politik nuklearer Zweideutigkeit praktisch enden; für die USA wäre ein offensiver Nuklearschlag gegen einen Staat ohne eigene Atomwaffen ein globaler Präzedenzfall für die amerikanische Nichtverbreitungspolitik. Moskaus scharfe

Reaktion von 2025 zeigt die zusätzliche Dimension: Europäische Diplomaten fürchteten laut Reuters 2026, ein amerikanischer Präzedenzfall könne Russland zusätzlichen politischen Spielraum für nukleare Drohungen in anderen Konflikten verschaffen.


Die Behauptung „Die USA planen, eine Atombombe auf Iran zu werfen" lässt sich nach heutigem Kenntnisstand nicht belegen. Ebenso unzutreffend wäre jedoch die gegenteilige Behauptung, ein nuklearer Einsatz gegen Iran sei niemals ernsthaft diskutiert worden. Er wurde diskutiert. Er wurde militärtechnisch analysiert. Er tauchte bereits in früheren amerikanischen Angriffsplanungen auf. Er wurde von einem ehemaligen israelischen Militärführer offen angesprochen. 2025 wurden US-Verteidigungsbeamte laut Medienberichten mit genau diesem Problem konfrontiert. Und 2026 führen etablierte sicherheitspolitische Institute einen amerikanischen oder israelischen taktischen Nuklearschlag weiterhin als mögliches Eskalationsszenario. Dem steht die klare öffentliche Aussage Trumps entgegen, er wolle keine Nuklearwaffe einsetzen.


Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass es sich bei den aktuellen Drohungen vor allem um politischen Druck und Abschreckungsrhetorik handelt. Aber genau deshalb ist es wichtig, öffentlich zu machen, worüber in Washington, Jerusalem und der internationalen Fachwelt tatsächlich gesprochen wird – nicht um Panik zu erzeugen, sondern weil eine Öffentlichkeit, die die reale Bandbreite militärischer Optionen kennt, besser einschätzen kann, wie ernst eine Drohung zu nehmen ist. Die Frage lautet damit nicht mehr nur: Kann Iran eine Atombombe bauen? Sondern zunehmend auch:

Was geschieht, wenn Washington und Jerusalem zu der Überzeugung gelangen, dass Iran eine Bombe bauen will

– an einem Ort, den ihre konventionellen Bomben nicht mehr erreichen können?

Quellen: Reuters; The Guardian; Seymour Hersh/The New Yorker (2006); The Times of Israel/Sunday Times; Arms Control Association (SIPRI-Daten); Center for Strategic and International Studies (CSIS), „Options for Targeting Iran's Fordow Nuclear Facility" (Heather Williams, Juni 2025); European Council on Foreign Relations, Iran Nuclear Monitor (Stand 15.07.2026); Institute for Science and International Security (ISIS/David Albright); IAEA (Rafael Grossi); CNN; PBS NewsHour/Frontline; Al Jazeera; Foundation for Defense of Democracies (FDD); Fox News; Time; JNS; US Nuclear Posture Review (2022); US National Defense Strategy (2026); The Times of Israel (Iran-Dementi, Pickaxe Mountain); Washington Times; CNBC; Fortune; Wikipedia (Irankrieg 2026, US-iranische Verhandlungen 2026, Pakistan in the 2026 Iran war, 2026 Iranian strikes on Oman); ZDFheute; IPG Journal; Al Jazeera (Oman-Vermittlung); globalsecurity.org/Sputnik; All India Radio/newsonair.gov.in; Chinesisches Außenministerium (Pressekonferenzen); NZZ (China-Iran-Militärkooperation); Der Pragmaticus; Wikipedia (China in the 2026 Iran war); Pravda DE/Sergej Lawrow (Pressekonferenzen); news.de; Israelnetz; Seymour Hersh, „The Samson Option: Israel's Nuclear Arsenal and American Foreign Policy" (1991); The Wire (März 2026); Wikipedia (Samson-Option / The Samson Option: Israel's Nuclear Arsenal and American Foreign Policy).

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